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Journalistin

Filmtag mit Rolf Losansky

Am 15. September verstarb im Alter von 85 Jahren der Regisseur Rolf Losansky. Mehr als dreißig Jahre hat er Filme für Kinder und Jugendliche gedreht. „Ein Schneemann für Afrika“, „Moritz in der Litfaßsäule“ oder „… verdammt, ich bin erwachsen!“ begeisterten ein großes Kinopublikum. Das Filmmuseum Potsdam lädt am 3. Dezember zu einem fröhlichen Beisammensein mit Weggefährten, Freunden und der Familie ein.

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Regisseur Rolf Losansky mit Andreas Bieber und Marlene Marlow 2013 in Langerwisch, wo „Hans im Glück“ entstand. Foto: Boris Trenkel

Für Kinder läuft um
14:30 Uhr  „WIE MAN EINE KUH REITET“
Making Of „Hans im Glück”, 1999, Dok., R: Konstanze Weidhaas, ORB
15:00 Uhr  HANS IM GLÜCK, 1998,
Regie: Rolf Losansky
Die erfrischende Filmadaption des gleichnamigen Grimm-Märchens war Rolf Losanskys letzte abendfüllende Regiearbeit.

 

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Filmszene aus „Abschiedsdisco“  Quelle: Ost-Film

17:00 Uhr  „ABSCHIEDSDISCO“
Regie: Rolf Losansky, 1990, Darsteller: Holger Kubisch, Jaecki Schwarz
Inhalt: Henning ist erst fünfzehn Jahre alt, als seine erste Freundin stirbt. Um in Ruhe zu trauern, besucht er seinen Großvater, der als einer der letzten am Rande eines Braunkohlegebietes lebt, wo Bagger die Landschaft immer weiter abtragen. Henning durchstreift die verlassene Gegend und begegnet verlorenen Gestalten. Nachdenklich studiert er die sterbende Umgebung und pflanzt am Ende symbolisch einen Baum.

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Holger Kubisch als Henning in »Abschiedsdico“. Quelle: Ost-Film

Den Stoff wollte Rolf Losansky bereits 1983 verfilmen, doch wurde das Szenarium wurde durch die Hauptverwaltung Film abgelehnt. Hintergrund: Die ökologischen wie auch sozialen Auswirkungen des Braunkohlentagebaus galten lange als Tabu.  Auch 1986 konnte Rolf Losansky das  vorgelegte Drehbuch nicht realisieren.  Abschiedsdisco gehörte zu einer Reihe von Filmen, die nach längerer Verbotszeit im Jahr 1989 umgesetzt werden durften. „Damit war natürlich die Brisanz verpufft“, sagte der Regisseur in einem Interview später.

Ort:
Filmmuseum Potsdam
Breite Str. 1a/ Marstall
14467 Potsdam
Tel: 0331-27181-12, ticket@filmmuseum-potsdam.de

Marianne Schilling – eine böse Königin mit viel Herz

So weiß wie Schnee, so rot wie Blut, so schwarz wie Ebenholz sollte das Kind sein, das sich die junge Königin wünschte. Bald darauf bekam sie ein Töchterlein, das sie Schneewittchen nannte… Sie starb und die neue Frau des Königs trachtete dem Mädchen, als es immer schöner wurde, nach dem Leben. Vor 55 Jahren, verfilmte die DEFA das beliebte Märchen „Schneewittchen und die sieben Zwerge“.
Am 6. Oktober 1961 hatte der Film mit der damals 19-jährigen Fernsehansagerin Doris Weikow als Schneewittchen und der Schauspielerin Marianne Christina Schilling als deren böse Stiefmutter Kino-Premiere. Er gehört zu den schönsten in der langen Tradition des DDR-Kinderfilms. Trotz des Erfolgs wechselte Doris Weikow nicht in die Schauspielerei. Die heute 75-Jährige blieb ihrem Beruf treu, in dem sie bis zum Ende des DFF 1991 vor der Kamera stand. Sie lebt am Rand von Berlin. Ganz anders Marianne Christina Schilling, die nie etwas anders sein wollte als Schauspielerin.

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Marianne Christina Schilling 2008. Foto: André Kowalski

Das Märchen selbst hat seine Wurzeln in Erzählungen, mit denen sich die Menschen in Vorzeiten die Abende verkürzten. Es gibt viele Versionen der Geschichte von „Schneewittchen“, die sich die Gebrüder Grimm zusammengesucht haben und daraus schließlich das uns heute bekannte Märchen strickten. Sie wollten, dass das Mädchen mutterseelenallein durch den großen Wald läuft. Die Region um Waldeck kannten die Autoren, sie liegt in der Nähe ihrer Heimatstadt Kassel. Überliefert ist, dass ihnen aus jenem Landstrich viele Geschichten zugetragen wurden. Spannendes Erzählgut, das in ihre Märchen einfloss. Das Schicksal der jungen Prinzessin Margarethe von Waldeck, die Mitte des 16. Jahrhunderts lebte und vergiftet worden war, soll den Gebrüdern Grimm als Vorlage für „Schneewittchen“ gedient haben. In der Erstausgabe ihrer Sammlung „Kinder- und Hausmärchen“ von 1812 ist die Königin die leibliche Mutter. Schneewittchen erwacht, als ihr ein Diener des Prinzen einen Schlag in den Rücken versetzt, aus Ärger, dass er das tote Mädchen den ganzen Tag herumtragen muss. In zwei nicht veröffentlichten Versionen lässt die Königin das Kind auf einer Kutschfahrt im Wald aussteigen, damit es für sie Rosen pflückt oder ihren Handschuh aufhebt, und fährt weg. In einer der Versionen ist es übrigens der Vater, der sich ein Mägdlein weiß wie Schnee, rot wie Blut und schwarz wie Ebenholz wünscht.

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Die Stiefmutter (Marianne Christina Schilling) mit ihrer Zofe (Steffi Spira). Foto: DEFA-Stiftung Karin Blasig

Fast alle Völker Europas haben in ihrer Märchenwelt ein Schneewittchen. Besonders verbreitet war es in Italien. Dort fallen die Blutstropfen etwa auf Marmor oder Käse. In Russland verfasste Alexander Puschkin in den 1820er Jahren ein Märchen in Versform unter dem Titel „Das Märchen von der toten Prinzessin und den sieben Recken“. Andere Märchen mit Schneewittchen-Motiven sind das griechische Märchen „Myrsina“, das italienische Märchen „Bella Venezia“, das schottische Märchen „Gold-Baum und Silber-Baum“, das armenische Märchen „Nourie Hadig“ oder auch das bekannte russische Märchen „Das Zauberspiegelchen“.

Nicht weniger zahlreich sind die Verfilmungen und filmischen Adaptionen des Märchens bis hin zur Parodie. 1916 kam „Schneewittchen“  in den USA als Stummfilm in die Kinos, 1937 produzierten die Walt Disney  Studios den bezaubernden Zeichentrickfilm „Snow White and the Seven Dwarfs“, dessen deutsche Version 1950 in Köln Premiere hatte. 1939 produzierte der Regisseur Carl Heinz Wolff den ersten deutschen Spielfilm von „Schneewittchen und den sieben Zwergen“. Die heiter-beschwingte DEFA-Adaption mit eingängigen Liedern ist neben dem Zeichentrickfilm der Disney Studios die bekannteste Verfilmung des Märchens in Deutschland und zweifelsohne eine der besten. 7.597.495 Kinobesucher sahen den Film in der DDR.

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Zu Besuch bei Marianne Christina Schilling in Bremen

Ich hatte 2008 die Gelegenheit zu einem Besuch bei der bösen Königin, der Schauspielerin Marianne Christina Schilling. Ihr Haus in Bremen ist kein Schloss, doch sehr hübsch und auch ein bisschen märchenhaft.  Ich lernte eine warmherzige, liebenswerte und bezaubernde Frau kennen, die ganz gar nichts gemein hatte mit der bösen Stiefmutter. Es waren wunderbare Stunden, in denen wir uns über Märchen, Liebe und Schönheit unterhielten. Die Begegnung Marianne Christina Schilling gehört zu den Höhepunkten in meinem beruflichen Leben. 2012 ist die Schauspielerin im Alter von 84 Jahren gestorben. Wie sie in unserem Gespräch sagte, hatte sie das schönste Leben, das sich jemand wünschen kann. Auch, wenn sie wegen ihrer Polyarthrose kaum noch laufen konnte und kaum aus dem Haus ging.  Sie hatte einen wunderbaren Mann an der Seite, den Schauspieler Harald Halgardt. Mit ihm hat sie bis zu ihrem Tod 66 Jahre zusammengelebt. Er umsorgte sie, seine große und einzige Liebe.

Das sehr persönliche Gespräch, das ich mit Marianne Christina Schilling damals für einen SUPERillu-Artikel geführt habe, hier zum Nachlesen.

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Der Prinz (Wolf-Dieter Panse) ist verzückt von Schneewittchen (Doris Weikow). Foto: DEFA-Stiftung Karin Blasig

Was mögen Sie an dem Märchen?
Es ist ein schönes Märchen, das durch einen Kuss gut und gnädig ausgeht. Wo doch eigentlich soviel Böses geschehen sollte. – Ist das nicht wunderbar, wenn man durch den Kuss des Geliebten wieder lebendig wird?

Sie waren ja für das Böse zuständig.
Ja, obwohl mir Positives mehr gefällt. Aber es machte mir als Schauspielerin Freude, das zu spielen. Auch wenn ich privat gar nichts von Neid und Eifersucht auf Schönheit halte. Schauspieler lieben es nun mal, wenn sie ordentlich grimmig und böse sein dürfen.

Wie kamen Sie zu der Besetzung?
Das habe ich merkwürdiger Weise erst jetzt durch einen Fan erfahren, Bernd Awiszus. Er hat in den Potsdamer Archiven recherchiert und herausgefunden, dass es DEFA-Direktor Wilkening war, der sagte: Gebt mir auf diese junge Frau Acht, das ist ein großes Filmtalent. Ursprünglich war die Rolle mit einer anderen Schauspielerin besetzt. Das passte nicht.

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Die Schauspielerin mit Filmbildern

Die Rolle der bösen Königin hat Sie bekannt gemacht. Was hatten Sie sich danach erhofft?
Ach, ich habe mich erst einmal nur gefreut, einen Film drehen zu dürfen. Es war ja 1961 alles ein bisschen anders. Ich war noch ein junges Weib, ein hübsches attraktives. Als mein erster Film dann gleich so ein Riesenerfolg wurde, dachte ich: Jetzt geht es los. Aber gar nichts ging los. (Sie lacht.) Erst sechs Jahre später bekam ich wieder eine wunderbare Filmrolle – als Kellnerin Stephanie in „Das Tal der sieben Monde“, eine Liebesgeschichte zwischen einem Deutschen und einer Polin im antifaschistischen Widerstandskampf.

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Die Bremer Schauspielerin Marianne Schilling in ihrem Reich

Woran erinnern Sie sich, wenn Sie an Schneewittchen denken?
Es war ein ganz harmonisches Arbeiten mit Regisseur Dr. Gottfried Kolditz. Ich konnte meiner Phantasie freien Lauf lassen, und er gab mir das Gefühl, alles richtig zu machen.  Wir drehten in einer zauberhaften Dekoration. Man hatte in den DEFA-Ateliers einen Wald mit echten Bäumen aufgebaut, in dem ein Bächlein sprudelte. Sogar Eichhörnchen und Kröte waren lebendige Tiere. Was seine Tücken hatte. Das Eichhörnchen ging gern seine eigenen Wege und büxte aus. Einmal suchte es der ganze Stab  stundenlang. Es hatte sich in einem Rohr versteckt, das an einen Baum gebunden war. Die Kröte saß nie auf dem Stein, wenn sie gefilmt werden sollte. Tom Schilling inszenierte mit uns Schauspielern die Tänze –  es hatte alles Niveau.

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Erschrocken weicht die König vor dem Apfel zurück. Foto: DEFA-Stiftung Karin Blasig

Haben Märchen in Ihrer Kindheit eine Rolle gespielt?
Ja sehr. Ich habe mein ganzes Leben immer so für mich gesponnen, mir meine eigenen Märchen ausgedacht. Meistens war ich eine Prinzessin, die befreit werde musste, und tüdelte mich an. Ich kann mir meine Jugend nicht anders vorstellen, als dass ich mir einen Gürtel um den Bauch gebunden, die Röcke gerafft und ein Märchen gespielt habe. Immer bin ich herumgetanzt. Natürlich habe ich auch viele Märchen gelesen. Musäus‘ Volksmärchen habe ich sehr geliebt. „Richilde“ ist eine Erzählung von ihm, die sehr an Schneewittchen erinnert, aber schon 30 Jahre früher erschienen ist. Ich liebte „Die sieben Schwäne“ von Ludwig Bechstein. Christian Anders hat mich interessiert. Mit den Grimm’schen Märchen hatte ich so meine Schwierigkeiten, weil ich sie so grob und auch teilweise grausam fand.

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Marianne Schilling liebte es, sich zu verkleiden. Foto: DEFA-Stiftung Karin Blasig

Was bedeutet Ihnen Schönheit?
Gutes Aussehen fand ich immer wichtig. Wenn man älter wird, verliert man vieles, was einen in der Jugend schmückt. Und ich denke, man sollte als Schauspielerin darauf achten, angenehm zu erscheinen. Wenn man in einer Rolle ist, verändert sich das Gesicht ja sowieso. Da darf es auch hässlich werden. Um so schöner ist die Rückverwandlung. Wie in meiner Rolle, in der ich aus mir ein altes hässliches Marktweib mache, um dann wieder in die wunderbaren Gewänder der Königin zu schlüpfen. Das hat mir viel Spaß gemacht.

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Marianne Schilling und Harald Halgardt lernten sich 1946 an der Jugendbühne in Bremen kennen und lieben. Sie blieben zusammen bis zum Tod der Schauspielerin 2012 Foto: André Kowalski

Sie halten sich immer noch daran?
 Ja, für mich und für meine Umgebung, meinen Mann. Er schafft es, unser Leben so zu erhalten, dass ich nichts vermisse. Da will ich nicht die verzuppelte Alte geben. Man darf sich auch als alte Frau nicht aufgeben. Auch wenn man sich die Krätze darüber ärgert, dass man so dick geworden ist. Die Neigung, füllig zu werden, hatte ich immer. Nur haben wir jungen Dinger uns damals alles runter gehungert, um schön schlank zu sein. Damit habe ich meinen Körper kaputt gemacht. Die Knochen bekamen zu wenig Aufbaustoffe, ich hatte Krebs. Und immer tapfer der Mann. Wenn Harald nicht gewesen wäre, dann wäre ich vielleicht nicht mehr so fröhlichen Gemütes, wie ich es immer noch bin. Er hat mich über alle Klippen hinweg gebracht, schmeißt den Laden.

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Liebevoll kümmerte sich Harald Halgardt um seine Frau. Sie liebte Bremer Kaffee aus frisch gemahlenen Bohnen 

Sie sind durch Ihre Krankheit hier oben in Ihrem Reich gefangen…
Das empfinde ich nicht so.  Ich habe gar nicht das Bedürfnis, mich aus meiner kleinen Welt hier oben wegzubewegen. Man fängt an, sich zu begnügen mit den Büchern, die man hat, der Musik und der Kunst. Und ich habe ja meinen wunderbaren Mann, der schon das ganze Leben für mich sorgt. Jetzt erst recht, wo ich kaum noch laufen kann. Und er hat immer einen lockeren Spruch auf den Lippen. Das lässt unser Leben nicht langweilig werden.

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1957 in Leipzig als Geliebte Wallensteins (gespielt von Harald Halgardt) Foto: privat

Wo lernten Sie sich kennen?
Ich lernte Harald 1944 an der Jugendbühne hier in Bremen kennen. Ich war die künstlerische Leiterin  – ohne Ahnung. Harald sprach den „Prometheus“ vor. Ich werde nie vergessen: Er musste fünfmal „Bedecke deinen Himmel Zeus“ wiederholen, und da bekam ich einen solchen Lachanfall! Da hat es gefunkt. Das Theater ging pleite, wir blieben zusammen. Als Harald 1949 ein Engagement am „Theater der Jungen Welt“ in Leipzig bekam, ging ich mit. Wir waren Leipzigs erstes Liebespaar auf der Bühne, in „Wallenstein“.

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Harald Halgardt und Marianne Schilling waren das erste Liebespaar auf der Bühne des Leipziger Schauspielhauses. Foto: privat

Wie lange blieben Sie in der DDR?
Das war 35 Jahre unser Zuhause. 10 Jahre gaben wir in Leipzig alle großen Bühnenpaare, dann gingen wir nach Berlin, drehten bei der DEFA. Wir bekamen eine schöne Rolle nach der anderen. Am Berliner Ensemble habe ich 348-mal die Kopetzka im „Schwejk“ gesungen und gespielt. Ich war die letzte Untat der Weigel. Sie hat mich ohne Vorsprechen engagiert. Und das am BE! Als sie gestorben war, wurde ich raus gemobbt. 1984 sind wir zurück nach Bremen. Wir passten ideologisch nicht in den DDR-Topf, denn wir haben nie einen Hehl daraus gemacht, dass wir die Welt kennen lernen wollten, Kunst und Kultur in den westlichen Ländern.

Sind Sie von Haus aus mit der Schauspielerei verbunden?
Wie man’s nimmt. Ich komme aus einer ganz verrückten Familie von Kunstmalern, Händlern, Schauspielern, Musikern und Gauklern. Ich bin Halbpolin. Meine Großmutter ist Baralin wie Papst Johannes Paul II. Meine Schwester hat nach Wadowice geheiratet, woher der Papst stammt, und ist eine geehelichte Wojtyla. Karol Wojtyla war ja mal Schauspieler. Meine Mutter hatte große Ähnlichkeit mit ihm, aber inwieweit wir mit ihm wirklich verwandt waren, weiß ich nicht.

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Wie blicken Sie auf Ihr Leben?
Man darf zufrieden sein. Was ich früher mit mir nie war. Ich habe mir jahrelang meine Fernsehrollen nicht angeguckt, weil ich mich nicht leiden konnte. Es ist sowieso rätselhaft, wie es im Leben so gekommen ist. Wir wollen es behutsam betrachten. Träume, die man hatte, sind zum Teil erfüllt worden, zum Teil nicht. Wie bei jedem Menschen.

Syrien – was war vor dem Krieg? Spurensuche mit Winfried Junge

Seit im Sommer 2011 die syrische Regierung unbarmherzig gegen Massendemonstrationen in Daraa, Homs und Hama vorging, sehen wir fast täglich Filmbilder von verheerenden Zuständen in Syrien.
 Sie vermitteln eine Sicht, die zu hinterfragen ist.
Zwei Reportagen der Dokumentarfilmregisseure Barbara und Winfried Junge – bekannt vor allem durch ihre Langzeit–Filmchronik Kinder von Golzow“ – brechen die Oberfläche auf, die sich uns mit den täglichen Nachrichten vermittelt.

Was war vor dem Bürgerkrieg? 
Im Sommer 1970 war Regisseur Winfried Junge das erste Mal in Syrien. Sein Film „In Syrien auf Montage“ begleitet DDR-Ingenieure, die Arbeiter in der Textilfabrik Homs ausbilden. Kurz nach Ende der Dreharbeiten, im November 1970, putschte sich Luftwaffenchef Hafez al-Assad an die Macht.

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1989 drehten Barbara und Winfried Junge ihren Dokumentarfilm „…der Vater blieb im Krieg“ über syrische Märtyrerkinder. c/0 DEFA-Stiftung

Zwanzig Jahre später, 1989/90, entstand der Film „… der Vater blieb im Krieg“ über ein Treffen mit syrischen Waisen in Bad Saarow, deren Väter im Libanonkrieg gefallen waren. Winfried und Barbara Junge begleiteten die Jugendlichen nach Syrien, wo sie in gesonderten, elitären „Schulen der Märtyrerkinder“ untergebracht waren.
Die Reportage reflektiert Momente aus dem Leben dieser jungen Menschen, die sich zwischen friedlich und angespannt, hoffnungsfroh und verunsichert bewegen.

Das Filmmuseum Potsdam lädt zu einem Kinoabend „Syrien dokumentieren“ mit Barbara und Winfried Junge ein.

Termin: Donnerstag, 10. November 2016, 19.00 Uhr

Ort:
Filmmuseum Potsdam
Breite Str. 1a/ Marstall,
14467 Potsdam
Kartenreservierung: 0331-27181-12, ticket@filmmuseum-potsdam.de

Syrien: Kurzer historischer Abriss
Syrien ist ein junger Staat, der erst seit dem Ende des Ersten Weltkrieges in (mehr oder weniger) seinen heutigen Grenzen existiert; 1946 erlangte er seine vollständige Unabhängigkeit. Dies kontrastiert mit Jahrtausende alten Siedlungstraditionen. Auf dem Gebiet des heutigen Syrien waren Zivilisationen beheimatet, die zu den ältesten der Menschheitsgeschichte gehören. Die syrische Geschichte des 20. Jahrhunderts ist geprägt durch die Erfahrung von Fremdherrschaft und Imperialismus sowie die schwierige Herausbildung einer syrischen nationalen Identität, verbunden mit Fragen nach territorialer Integrität und staatlicher Einheit. Hiermit verflochten sind mit rapiden Modernisierungsprozessen einhergehende gesellschaftliche Umwälzungen und der Streit um soziale Gerechtigkeit, um politische und wirtschaftliche Teilhabe. Während des Kalten Krieges distanzierte Syrien sich von der US-amerikanischen Nahostpolitik, intensivierte aber seine Beziehungen zu den sozialistischen Staaten. Syrien und Ägypten schlossen sich zur Vereinigten Arabischen Republik (VAR) zusammen, wodurch Syrien nicht gestärkt, sondern politisch geschwächt wurde. Ein Militärputsch beendete am 28. September 1961 die Mitgliedschaft Syriens in der VAR. Es entstand die Syrische Arabische Republik. Immer wieder kam es zu Machtkämpfen. 1964, 1965 und 1967 kam es zu einer Reihe von Protesten und Streiks, die gewaltsam niedergeschlagen wurden. Nach der Niederlage gegen Israel im Juni 1967 spitzten sich die Auseinandersetzungen innerhalb der syrischen Führung erneut zu. Am 16. November 1970 besiegelte Assad seine zunehmende, auf der Kontrolle des Militärs beruhende Dominanz mit einem erneuten Putsch, indem er Partei- und Staatsspitze verhaften ließ und eine neue Regierung unter seiner eigenen Führung bildete. Von 1975-1990 spielte Syrien eine entscheidende Rolle im libanesischen Bürgerkrieg, an dessen Ende es 90.000 Todesopfer, 115.000 Verletzte und 20.000 Vermisste gab. 800.000 Menschen flohen ins Ausland. Ein unter syrischem Druck geschlossener „Kooperationsvertrag“ im Mai 1991 machte den Libanon bis 2005 praktisch zum syrischen Protektorat.

Wer sind Barbara und Winfried Junge?

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Die Dokumentarfilmregisseure Barbara und Winfried Junge c/0 Filmmuseum Golzow

Winfried Junge ist am 19. Juli 1935  in Berlin geboren. Er studierte zunächst Germanistik an der Pädagogischen Fakultät der Humboldt-Universität in Berlin;  wechselte 1954 als einer der ersten Studenten an die neue Deutsche Hochschule für Filmkunst in Potsdam-Babelsberg. Junge hat insgesamt mehr als 50 sehr verschiedene Filme für Kino und Fernsehen gedreht, darunter den Kinderspielfilm „Der tapfere Schulschwänzer“. Seit den 1960er Jahren  zeigen die Dokumentarfilme der Junges Menschen des Alltags. Sie führen auch ins Ausland, erzählen von Begegnungen mit Menschen in Syrien und Somalia, bevor das friedliche Aufbauwerk nach dem Vorbild der sozialistischen Staaten, das auch die DDR unterstützte, ein Ende fand und die Länder im Chaos versanken.

 

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Fast original getreu entstand Winfried Junges Schneideraum im Museum „Kinder von Golzow“ 

Barbara Junge wurde am 14. November 1943 in Neunhofen/Thürigen geboren. Sie studierte an der Karl-Marx-Universität in Leipzig und schloss mit dem Diplom als Dolmetscherin für Englisch und Russisch ab. Ab 1969 arbeitete sie als Journalistin und Regisseurin im DEFA-Studio für Dokumentarfilme und war zunächst für fremdsprachige Fassungen von DEFA-Dokumentarfilmen verantwortlich. Nach dem Ende der DDR und damit auch der DEFA führte sie mit ihrem Mann Winfried Junge das „Golzow“-Projekt in Co-Produktion mit Sendern der ARD, vor allem des RBB, weiter.

 

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Winfried Junge in der Dokumentarfilmausstellung in Golzow. c/o Filmmuseum Golzow

„Cyankali“ – Ein Film, den man sehen muss. Beklemmend aktuell

Mein Filmgedächtnis hat sich in der Zeit geprägt, als das Fernsehen noch mit analoger Technik arbeitete und bis Ende der 60er Jahre tagsüber Farbstreifen den Bildschirm zierten und ein Pfeif-, sprich: Mess-Ton das Ohr strapazierte. Um die Mittagszeit, zwischen 13.30 und 14.50 Uhr, verschwand das Testbild, und unter der Rubrik Testprogramm strahlte der DFF (Deutsche Fernsehfunk) Filme aus. Für mich die schönste Zeit des Tages. Weil unser Unterricht aber erst um 13.40 Uhr endete, rannte ich immer nach Hause, um nicht allzuviel zu verpassen.

Jeder über Fünfzig, der in der DDR groß geworden ist, wird sich an die „Halbzweifilme“ erinnern. Es waren preisgekrönte sowjetische Streifen wie das berührende Kriegsdrama „Wenn die Kraniche ziehen“, französische Filme wie „Lohn der Angst“ oder „Die Abenteuer des Till Ulenspiegel“ mit Gérard Philipe. Selbstverständlich liefen im Testprogramm auch großartige DEFA-Produktionen wie der Welterfolg „Stärker als die Nacht“ mit Wilhelm Koch-Hooge und Helga Göring, „Rivalen am Steuer“ mit Axel Monje, „Semmelweiß –Retter der Mütter“ mit Horst Drinda oder „Carola Lamberti – Eine vom Zirkus“ mit Henny Porten.

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Hete (Grete Mosheim) versucht einen Arzt für die Abtreibung zu finden. Dr. Möller (Ludwig Andersen) lehnt ab

Das war lebendige Geschichte, die ich da jeden Tag einsog – spannend, unterhaltsam und bildend. Denn viele Filme rankten sich um historische, gesellschaftliche  und politische Ereignisse. Leider sind sie heute aus den TV-Programmen verschwunden. Vielleicht gibt es noch Filmkunst-Theater, wo sie hin und wieder über die Leinwand flimmern. Sie hätten der jungen Generation einiges zu sagen.

Es gibt Bilder, die sitzen fest in meinem Gedächtnis. Und wenn ich es bedenke, habe ich mir als Kind mit manchen Filmen viel zugemutet. Der Stummfilmklassiker „Cyankali“ gehört dazu:

Berlin, Ende der 1920er Jahre. Die junge Hete arbeitet als Büroangestellte in einer Fabrik. Dort ist auch ihr Verlobter Paul angestellt. Eines Tages stellt Hete fest, dass sie schwanger ist. Trotz seiner sozialen Not entscheidet sich das Paar für das Baby. Als Paul arbeitslos wird, zerplatzt der Traum von der kleinen Familie. Hete versucht, einen Arzt zu finden, der bereit ist, bei ihr eine Abtreibung vorzunehmen. Als sie scheitert, geht sie zu einer Engelmacherin  und erhält als Abtreibungsmittel ein Fläschchen Zyankali. Doch die Dosis, die Hete einnimmt, ist zu stark und sie stirbt qualvoll an einer Vergiftung. Einer der Ärzte, die sie aufgesucht hatte,  zeigte sie an.

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Renate Krößner als Hete 1977 im DDR-Fernsehfilm  von Jurij Kramer 

Die Beklemmung, die ich als Zwölfjährige empfunden habe angesichts der Verzweiflung, kehrte zurück, als ich mir dieser Tage den Trailer zur DVD „Cyankali“ ansah, die zusammen mit der Neuverfilmung des DDR-Fernsehens aus dem Jahr 1977 als Edition vom Filmmuseum Potsdam und dem Filmverlag absolut MEDIEN herausgegeben wurde. Als ich 1962 den Stummfilm von Hans Tintner sah, wusste ich nichts über die Hintergründe der Geschichte, den Abtreibungsparagraphen 218, der seit 1871 im deutschen Strafrecht verankert ist. Das Reichsstrafgesetz belegte einen Schwangerschaftsabbruch mit fünf Jahren Zuchthaus. Es wurde 1926 gelockert und diese Gesetzwidrigkeit „nur“ noch mit einer Geldstrafe oder mit Gefängnis unter drei Monaten bestraft. Eine Reform des Paragraphen 1927 legalisierte den Schwangerschaftsabbruch dann aus medizinischen Gründen. Die Angst vor der Strafe war jedoch bei den Arbeiterfrauen in den 20er Jahren lange nicht so groß wie die vor noch erdrückenderer sozialer Not, nicht zu wissen, wie man das Kind ernähren soll. So stieg die Zahl der Abtreibungen weiter.

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Filmszene aus dem Stummfilm „Cyankali“ von 1930: Hete und Paul sind verzweifelt

1926 stellte der 45. Ärztetag in Eisenach fest, dass „die Zahl der jährlichen Abtreibungen in Deutschland auf 500.000 bis 800.000 geschätzt wird, darunter 10.000 Todesfälle“. Sie geschahen, bedingt durch den Paragraphen 218, in der Illegalität. Progressive Ärzte, Wissenschaftler und Künstler wie Friedrich Wolf, die das Dilemma in den Proletarierfamilien erkannt hatten, setzten sich vehement für eine humane Gesetzgebung ein. Sie forderten die ersatzlose Streichung des § 218 oder wenigstens Straffreiheit bei einem Abbruch in den ersten drei Schwangerschaftsmonaten.  Die Frauen sollten ein Recht darauf haben, selbst darüber zu bestimmen, ob sie das Kind zur Welt bringen wollen.

Friedrich Wolf war nicht nur ein anerkannter Arzt und überzeugter Kommunist, sondern auch erfolgreicher und vielgespielter Dramatiker in der Weimarer Republik. 1928 veröffentlichte er seine Streitschrift „Kunst ist Waffe!“ und nahm unter dieser Maxime kritisch zu brennenden Problemen seiner Zeit Stellung. 1929 erschien sein Sozialdrama „Cyankali“. Das Bühnenstück löste eine gesellschaftliche Debatte um den Schwangerschaftsabbruch aus, dessen Legitimierung Vertreterinnen für die Rechte der Frauen wie die Malerin Käthe Kollwitz seit Anfang der 20er Jahre forderten. Da Friedrich Wolf aus seiner politischen Überzeugung keinen Hehl machte, versuchten seine Gegner, ihn mit dem Vorwurf illegaler Abtreibungen zu diskreditieren. Doch er genoss hohes Ansehen in der Öffentlichkeit und im Ausland, sodass die Kampagnen ins Leere liefen.

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Grete Mosheim als Hete, Filmfoto

Der ambitionierte jüdische Schauspieler und Filmproduzent Hans Tintner griff das Thema auf und realisierte 1929/30 nach Wolfs Bühnenstück den erschütternden Film . Die Zensur verbot „Cyankali“ mehrfach. Erst nach zahlreichen Schnitten gab sie den Film 1930 für die Kinos frei. Die Uraufführung fand mit großem Erfolg am 23. Mai 1930 im Berliner Kino Babylon am Bülow Platz statt. Drei Jahre später, mit der Machtergreifung der Nationalsozialisten 1933, verschwand der Film aus den Lichtspieltheatern. Zu den ersten Gesetzen, die das NS-Regime erließ, gehörte die Paragraphen 219 und 220 des StGB, die Schwangerschaftsabbrüche wieder stärker unter Strafe stellen.

Und wo stehen wir heute? Wirklich geändert hat sich seit 1871 nichts. Der Paragraph 218 steht noch immer im deutschen Strafgesetzbuch. Ein Schwangerschaftsabbruch ist in Deutschland heute noch mit einer Freiheitsstrafe bedroht, wenn auch Ausnahmen und Grenzen definiert sind. Einen Lichtblick schien es mit der 1974 vom Bundestag verabschiedeten Fristenregelung zu geben. Sie sah Straffreiheit bei Abbrüchen in den ersten drei Schwangerschaftsmonaten vor, wie seinerzeit von Friedrich Wolf gefordert. Im Februar 1975 wurde das vom Bundesverfassungsgericht als unvereinbar mit der im Grundgesetz verankerten Unantastbarkeit des menschlichen Lebens befunden. Am 6. Mai 1976 verabschiedete der Bundestag eine modifizierte Indikationsregelung als Kompromiss. Neben der medizinischen, der kriminologischen und der eugenischen (bei Schädigung des Kindes) Indikation bleibt eine Abtreibung innerhalb der ersten zwölf Wochen nun auch bei sozialer Notlage straffrei.
Die Reform des Paragraphen 218 ist vom Bundesverfassungsgericht immer wieder als verfassungswidrig zurückgewiesen worden. Der Kampf um den Schwangerschaftsabbruch polarisierte die Gesellschaft in der BRD bis in die 90er Jahre.

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Erstmalig erscheinen die Filmversionen von „Cyankali“ auf DVD. Die Edition enthält tolle Extras wie einen Rundfunkbeitrag von 1978 zu Friedrich Wolfs Stück. Erhältlich für 24,90 € online und im Handel

Die DDR war in puncto Selbstbestimmungsrecht der Frauen der BRD weit voraus. Sie hat den Paragraphen 218 abgeschafft. Am 9. März 1972 verabschiedete die Volkskammer der DDR ein Gesetz, das eine Fristenlösung vorsah. Jede Frau konnte innerhalb der ersten drei Monate ungestraft eine Interruption vornehmen lassen. Ohne dass sie eine Indikation erfüllen musste. Die Aufklärung über eventuelle Risiken wie die Gefahr, keine Kinder mehr bekommen zu können, übernahmen die überweisenden Gynäkologen. Gegenstimmen gab es aus religiösen Gründen von den Volkskammer-Abgeordneten der Fraktion der CDU.

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Hete stirbt. Filmszene mit Renate Krößner ( Hete), Ursula Braun (Mutter), Hermann Beyer (Paul) und Heinz Behrens (Dr. Möller) aus dem DFF-Film 1977

Dieser Fortschritt wurde 1990 mit dem Beitritt der DDR zur BRD und ihrem Rechtssystem hinfällig. Eine Kompromisslösung zwischen dem alten DDR-Recht und dem StGB der Bundesrepublik musste gefunden werden, denn die Frauen aus den neuen Bundesländern wollten ihr Recht auf Selbstbestimmung nicht aufgeben.  Am 29. Juni 1995 beschloss der Bundestag das Abtreibungsrecht, nachdem die Interruption innerhalb der ersten zwölf Wochen straffrei bleibt, wenn die Frau eine nach § 218a Abs. 1 StGB vorschriftsgemäße Beratung nachweist oder eine Indikation nach § 218a Abs. 2 und 3 StGB. Damit waren die Debatten aber nicht beendet. Mit dem „Gesetz zur Änderung des Schwangerschaftskonfliktgesetzes“ , das im Januar 2010 in kraft trat, wurden die Anforderungen an eine umfassende Aufklärung, Betreuung und Begleitung der Schwangeren bei einer möglichen medizinischen Indikation neu geregelt. Das Gesetz schreibt nun auch für Abbrüche nach der 14. SSW eine dreitägige Frist zwischen Diagnose und Schwangerschaftsabbruch vor, die es zuvor nicht gab. Die angehenden Eltern sollen nicht im ersten Schock nach der Diagnose eine Entscheidung treffen.

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Marianne Wünscher als „Engelmacherin“ Madame Heye und Renate Krößner. DFF-Film 1977

Die hochkarätig besetzte Neuverfilmung des DDR-Fernsehens von Friedrich Wolfs Theaterstück „Cyankali“ entstand 1977 aus Anlass des 5. Jahrestages der Abschaffung des Paragraphen 218 in der DDR. In der Rolle der Hete ist Renate Krößner zu sehen, Hermann Beyer spielt deren Verlobten Paul. In den anderen Rollen hat Regisseur Jurij Kramer u. a. Annekathrin Bürger, Marianne Wünscher, Rolf Römer und Heinz Behrens besetzt.

Wenn wir uns umsehen in unserem Land, ist die Aktualität des Themas beklemmend. Den Paragraphen 218  gibt es immer noch, Abtreibung ist wie vor 145 Jahren grundsätzlich immer noch strafbar. Zeit, neu zu diskutieren.

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Ich danke dem Filmverlag absolut MEDIEN für die Fotos.

Adé, lieber Rolf Losansky. Dein „Schulgespenst“ wird immer weiter fliegen

Er wollte nicht, dass Tränen fließen. Er wollte keinem Schmerz bereiten. Und so hat er, so gut es eben ging, halbseitig gelähmt, dem Sprechen nicht mehr mächtig, seine Späße gemacht, wenn man zu Besuch war. Er vermochte es, einem die Traurigkeit zu nehmen, die einen beschlich, und zum Lachen zu bringen.

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Rolf Losansky 1977 bei Dreharbeiten 

Rolf Losansky, dieser große Menschenfreund und Regisseur, für den Filme machen für Kinder- und Jugendliche eine Herzenssache war, starb am 15. September 2016 an den Folgen eines schweren Schlaganfalls, den er drei Jahre zuvor erlitten hatte . Am 6. Oktober fand der 85-Jährige in dem wildromantischen Friedhofsgarten von Bornstedt seine letzte Ruhestätte,  zwischen riesigen Eichen, alten Eiben und verholztem alten Efeu. Schon der Schriftsteller Theodor Fontane empfand diesen Ort als Paradies. Er schrieb: „Was in Sanssouci stirbt, wird in Bornstedt begraben.”

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Danka Losansky und seine Schwester Doris (r.) nehmen Abschied 

Groß war die Zahl derer, die sich an diesem traurigen Tag von Rolf Losansky verabschiedeten. Und es weinte nicht nur der Himmel. In der Kapelle gedachten fast 200 Trauernde dem Vater, Bruder, Freund, Kollegen. Die weiße Urne auf der Stele umgab ein Meer aus bunten Herbstblumen, gelben, roten, weißen Gerbera, Chrysanthemen, Sonnenblumen, Rosen und Lilien. „Danke, es war schön mit dir“, darunter die Skizze eines weinenden Mädchens, schickt ihm seine Tochter Danka auf einer weißen Schleife mit auf die Reise.

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Autorin und Freundin Christa Kozik mit ihrer Mini-Litfaßsäule 

Dieser Gedanke vereinte die Anwesenden. Kinderbuchautorin Christa Kozik, von der   einige seiner schönsten Filmgeschichten stammen, wie „Moritz in der Litfaßsäule“ oder „Ein Schneemann für Afrika“, hatte dem Freund als Grabbeigabe eine kleine Litfaßsäule gebastelt und dahin all ihre guten Wünsche für ihn in dem anderen Leben getan. Gojko Mitic, sein Indianerhäuptling aus dem Film „Der lange Ritt zur Schule“, verneigte sich ebenso wie die Schauspieler Wolfgang Winkler, der Smutje der MS Wismar auf der Reise nach Afrika, und Ernst-Georg Schwill. Er spielte in Losanskys erstem Erfolgsfilm „Die Suche nach dem wunderbunten Vögelchen“ die Rolle des hilfsbereiten Hauptwachmeisters Löffelholz.

„Mit seiner unkomplizierten Herzlichkeit, seinem Schnurrbart und seiner Nickelbrille war Rolf Losansky wie eine Figur aus seinen Filmen. Trotz aller Erfolge, Auszeichnungen und Preise war er vollkommen uneitel. Für ihn waren seine Filmkinder die Stars. Er trat hinter seine Geschichten zurück, in denen er Kindheit und Kinder nie idealisierte. Er wusste um die Bedrängnisse Heranwachsender, ihre Einsamkeit, Überforderung. Er verschloss nicht die Augen vor ihren Ängsten und Nöten und erinnerte uns daran, genau hinzusehen, uns ihnen zuzuwenden, so wie er sich immer um andere gekümmert hat. Er gab mehr als er vom Leben bekam“, hob Filmjournalist Knut Elstermann in seiner Trauerrede hervor.

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Zu fast all seinen Filmkindern hielt der Regisseur wie ein Vater Kontakt. Einige von ihnen waren gekommen: Schauspielerin Julia Jäger, die zusammen mit Dirk Müller als Moritz ihre erste Rollen in dem philosophisch-poetischen Film „Moritz in der Litfaßsäule“ spielte. Frank Träger, der Träumer Alex aus dem „Langen Ritt zur Schule“, ist KfZ-Mechaniker geworden, Ralf Schlösser, einst Kinderdarsteller in Rolf Losanskys Filmen „Blumen für den Mann im Mond“ und „…verdammt, ich bin erwachsen“, arbeitet als Schauspieler und Regisseur. Mit ihm und hundert Erkner Kindern hat Rolf Losansky 2011/12 sein letztes Filmprojekt „Wer küsst Dornröschen“ realisiert.

Zwei Minuten läuteten die Glocken der berühmten Persius-Kirche vor der letzten Zeremonie, der Aussegnung durch Pfarrer Friedhelm Wizisla. Vielleicht ist es ein Trost, daran zu denken, dass Rolf Losanskys Filme bleiben, dass noch viele Generationen mit seinem menschenfreundlichen Werk aufwachsen.

Abschied von Hilmar Thate

Berlin. Der Himmel war bedeckt, doch für den letzten Auftritt von Hilmar Thate öffnete er sein Wolkenfeld und ließ die Sonne scheinen. Es ist der 30. September, die Stunde zwischen elf und zwölf, auf dem Dorotheenstädtischen Friedhof an der Chausseestraße. In der lichtdurchfluteten Trauerhalle fällt mein Blick über die Reihen der Angehörigen, engen Freunde, gemochten Kollegen auf das gerahmte Schwarzweiß-Porträt des Schauspielers. Sein Blick schaut nachdenklich, ein bisschen versonnen, in der Hand eine Zigarette. Er ist so nah und doch so fern.

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Der Sarg aus mattiertem Kirschholz mit nur zwei Sonnenblumen darauf, daneben Kränze aus bunten Herbstblumen geflochten, zeugt von der Unwiderruflichkeit des erloschenen Lebens eines Menschen, der ein besonderer war. Als Schauspieler, als Freund, als Gesprächspartner. Charmant, sensibel und zugleich kraftvoll. Unbeugsam in seiner Haltung, seinem Sinn für Gerechtigkeit. Er fehlt nun. Und vor allem seiner Frau, der Schauspielerin Angelica Domröse. Ihre Liebe war ein enges Bündnis voller Emotionen und einer bewegten, ja, oft stürmischen Realität. Hilmar Thate starb am 15. September mit 85 Jahren. Letztlich an den Folgen eines schweren Sturzes, der ihm die Lebenskraft nahm, wie ich heute erfuhr.

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Tapfer nimmt Angelica Domröse die Kondolenzen entgegen. Links neben ihr Hilmar Thates Sohn Hanno

Es wird ein stiller Abschied, so wie er ihn sich gewünscht hat. Keine Trauerrede. „Hilmar wollte keine Rede zum Abschied. Das hat er mir gesagt, das hat er Angelica gesagt. Lasst uns also jetzt und hier im Stillen und jeder mit seiner Erinnerung an einen besonderen Menschen und unvergesslichen Schauspieler denken“, sind die einzigen Worte des Abschieds. Gesprochen von Drehbuchautor Wolfgang Kohlhaase, einem Freund, in dessen DEFA-Film „Der Fall Gleiwitz“ Hilmar Thate 1960 die Schlüsselrolle spielte.

Für diese Minuten des Innehaltens hatte Angelica Domröse eine bizarre Straßenmusik ausgesucht, die sie vor Jahren auf einer Party gehört hatte und sich von dem Gastgeber überspielen ließ. „Sie hat uns so gefallen“, sagt sie. Als danach „Pablos’s Blues von Miles Davis“ verklungen war, geben wir Hilmar Thate das letzte Geleit. Neben mir läuft Schauspieler Christian Grashof, hinter mir sehe ich Schauspielerin Jutta Hoffmann mit ihrem Ehemann, dem Regisseur Nikolaus Haenel, und Schauspieler Carl Heinz Choynski.

Mein letzter Gruß ist eine weiße Rose.

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„Ich höre auf zu leben, aber ich habe gelebt. So leb auch du, mein Freund, gern und mit Lust und scheue den Tod nicht.“ Zitat aus „Egmont“, von Johann Wolfgang von Goethe.

 

Heiko Reissig: „Ich lade gern mir Gäste ein…“

„Ausverkauftes Haus, Standing Ovations, Feuerwerk, ein Meer von Blumen, Zugaben und ein total glückliches Publikum – was will man mehr“, freut sich Kammersänger Heiko Reissig über seine Jubiläumsgala, zu der er am vergangenen Samstag in das Kultur- und Festspielhaus Wittenberge eingeladen hatte. Hier stand er als Kinderdarsteller 1976 zum ersten Mal auf der Bühne. Im Märchen „Hänsel und Gretel“.

40 Jahre Bühnenjubiläum und sein 50. Geburtstag waren dem charmanten Operetten-Tenor und Entertainer Anlass, 700 Gästen eine berauschende Show der heiteren Muse zu präsentieren. „Es ist wirklich ein glamouröses Fest geworden, so schön hätte ich es nicht erwartet. Dafür möchte ich mich bei allen, die mir geholfen haben, diesen Abend auf die Beine zu stellen, aufs Allerherzlichste bedanken. Sie haben mir eine unauslöschliche Erinnerung geschenkt“, sagt er mir am Telefon, denn er ist schon wieder unterwegs. Mit seinem Unterhaltungsprogramm „Musikalische Rumpelkammer“ wird er die Kreuzfahrt-Passagiere der MS Albatros auf eine amüsante und auch informative Zeitreise in die Welt der Operette und Filmschlager mitnehmen. Ganz nach seinem großen Vorbild, dem Schauspieler Willi Schwabe. „Eigentlich bin ich groggy“, gesteht er, aber der Vertrag war unterschrieben. Und es macht mir ja Spaß, anderen Freude zu bereiten.“

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Fünf Grazien: KS Karin Pagmar, Caroline Bungeroth, Stefanie Simon, Alexandra Lachmann und KS Christine Wolff

Das ist sein Leben, seit ihn in Kinderzeiten das Theater in seinen Bann gezogen hat. Charme und sein Talent zur Unterhaltung ließen den Operettensänger zum Publikumsliebling werden. Soviel er auch durch die Welt reist, sein Herz hängt an seiner Heimat – und natürlich der Operette. Einem geschmähten Genre. 1998 rief er die „Elblandfestspiele Wittenberge“ ins Leben, ein Festival der heiteren Muse, das er bis 2008 als Regisseur und Intendant führte. „Inspiriert hatte mich  das österreichisch-ungarische Operettenfestival in Mörbisch am See, zu dem jeden Sommer täglich 6000 Musikfreunde kommen. So etwas hatte ich mir für Wittenberge auch vorgestellt“,  sagte er mir in einem Interview.  Inzwischen sind die Musikfestspiele in Wittenberge ebenfalls international berühmt und locken jeden Sommer Tausende Musikfreunde an. Neben Gastspielen, Konzerten, Tourneen kümmert sich der 50-jährige Sänger, Komponist, Regisseur und Entertainer seit seiner Studienzeit um die Förderung junger Operetten-Künstler. „Mir war aufgefallen, dass im Bereich der Operette nicht viel passiert, der Nachwuchs fast immer  hintan stand.“ In diesem Sinne engagiert er sich auch seit vielen Jahren ehrenamtlich als Präsident in der Europäischen Kulturwerkstatt Berlin-Wien.

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Der Jubilar mit dem Wittenberger  Shantychor „De Buhnenkieker“ und Star-Trompeter Walter Scholz

Am 24. September nun legten sich befreundete Künstler ins Zeug, um dem Entrepreneur des Operettentheaters selbst eine Freude zu schenken. Aus Schweden war Kammersängerin Karin Pagmar angereist, aus Russland der Pianist Mikhael Mordvinov. Die Sopranistinnen KS Christine Wolff und Alexandra Lachmann, Kammersänger Johannes von Duisburg gratulierten mit berühmten Melodien, ebenso wie Sängerin Regina Thoss, die mit ihm lange befreundet ist. Das bunte Programm vervollkommneten Star-Trompeter Walter Scholz, der Wittenberger Shantychor „De Buhnenkieker“, Alt-Star Michael Hansen, das Duo Stefanie Simon und Bert Beel sowie Deutschlands Travestie-Star Renata Ravell und das Artistenpaar Angelique & Kavalier. Mit ihrem musikalischen und komödiantischen Talent begeisterte die junge Sängerin Caroline Bungeroth – das „Fräulein Mizi“ des Duos Scheeselong – Publikum und Gastgeber. „Ohne Detlef Heising und Alfred Otto, die für das sensationelle Bühnenbild und den reibungslosen Ablauf sorgten, wäre das Event nicht möglich gewesen“, fügt Heiko Reissig noch an. „Eine tolle Leistung in Anbetracht der Tatsache, dass wir nicht mal zwei Tage Zeit zur Vorbereitung hatten.“

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Eintrag ins Goldene Buch der Stadt Wittenberge. Jubilar Heiko Reissig  mit der stellv. Bürgermeisterin Waltraud Neumann (v.l.),  Laudator Jürgen Schmidt und Pressereferentin Christiane Schomaker

Mitten in der Show dann die große Überraschung für den „Kavalier der heiteren Muse“: Für seine Verdienste um das Musiktheater, speziell die Operette, wurde er mit dem österreichischen „Internationalen Prof.-Heinz-Neubrand-Musikpreis-Wien 2016“ geehrt. Anschließend bat ihn die stellvertretende Bürgermeisterin von Wittenberge, Waltraud Neumann, seiner Heimatstadt die Ehre zu erweisen und sich ins Goldene Buch einzutragen.

Die launigen Worte zwischen den Darbietungen fand Moderator Lutz Hoff. „Er war trotz einer Verletzung gekommen“, erzählt Heiko Reissig. „Das rechne ich ihm hoch an.“ Von Lutz Hoff erfuhr ich, dass ihm kurz zuvor die Achillessehne gerissen ist. „Ein kleiner Fehltritt, und es hat zupp gemacht. Ich habe beim Aussteigen aus der Regional-Bahn den kleinen Treppenabsatz übersehen und da war es passiert. Aber alles halb so schlimm. Die Sehne wird zusammengenäht und dann muss ich noch sechs Wochen den ,Stiefel’ tragen.“ Während ich schreibe, ist er bereits im Krankenhaus und wird auf die OP vorbereitet. Gute Besserung!

Ehrung für Rolf Hoppe

Weißig. Auszeichnungen sind Rolf Hoppe nicht wichtig. Aber wenn sie denn kommen, steht doch ein Leuchten in seinen Augen. Ein ganz besonderer Moment war für den großartigen und beliebten Schauspieler seine Ernennung zum ordentlichen Ehrenmitglied der Europäischen Kulturwerkstatt Berlin-Wien, der internationalen Gesellschaft zur Förderung von Musik, Theater und Kunst, am 16. September.

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Schauspieler und Prinzipal Rolf Hoppe im Foyer seines Hoftheaters

Bewegt stand er auf der Bühne seines kleinen Hoftheaters in Dresden-Weißig und nahm die Urkunde aus den Händen des EKW-Präsidenten, Kammersänger Heiko Reissig, entgegen. „Getreu seinem Motto: Das Gute im Bösen sichtbar machen und das Böse im Guten, ist Rolf Hoppe ein unverrückbarer Garant für höchste Darstellungskunst im wahrsten Sinne des Wortes, ein Garant für packende Unterhaltung, für sprachliche Nuancen und Raffinessen, für ironisch feinen Witz oder derben Humor“, heißt es in der Laudatio. Ja, für all das liebt und verehrt ihn sein zahlreiches wie treues Publikum. Rolf Hoppe ist in seinem langen und ausgefüllten Künstlerleben zu einem wahrhaftigen Volksschauspieler avanciert. Die Reaktion des Geehrten ist typisch für ihn, den Harzer Jungen, einem Kriegskind, das den Wunsch hatte, den Leuten Freude zu bringen und bis jetzt danach lebt. „Dass Menschen an einen denken, denen man mit seiner Arbeit Freude gebracht hat, ist das eine. Aber dass meine Arbeit so hoch geschätzt wird, macht mich alten Mann glücklich. Man wird ja schnell vergessen, wenn man nicht mehr so dabei ist. Ich habe immer für die Menschen gespielt und möchte immer noch in ihre ernsten Gesichter ein Lächeln zaubern. Darum habe ich mir die Kindheit in die Tasche gestopft und hole sie heraus, wann immer mir danach ist“, sagt er. Und lacht.

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September 2016. Kammersänger Heiko Reissig, ehrenamtlicher Präsident der Europäischen Kulturwerkstatt Berlin-Wien, überreicht Rolf Hoppe (neben ihm Tochter Josephine) die Urkunde für die Ehrenmitgliedschaft. Foto: EKW-Archiv

Für den 85-Jährigen gibt es immer noch etwas zu tun. Nicht nur in seinem Garten, den er hegt und pflegt und sich daran erfreut. Manchmal steht der Prinzipal auf der Bühne seines Hoftheaters, hin und wieder ruft der Film. Vor ein paar Tagen stand für er den neuen „Spreewaldkrimi: Die Rückkehr des Schlangenkönigs“ vor der Kamera. Tochter Christine, eine der wichtigsten Schauspielerinnen Dresdens, hat ihn begleitet. „Wir haben in einem Hotel in Burg gedreht. Es ist die Fortsetzung der ,tödlichen Legende‘, in der ich wieder den verwirrten alten Mann spiele. Es war nur ein Tag, aber ich merke inzwischen die Anstrengungen“, erzählt Rolf Hoppe. Nach über 60 Jahren eines prallen Arbeitslebens, das ihn auch in hohem Alter noch in die weite Welt geführt hat – bis nach Australien – braucht sein Akku mehr Zeit zum Aufladen. „Ich schlafe viel. Doch Kopf und Körper müssen immer noch etwas zu tun haben, sonst ist bald Schluss“, sagt er und hat sein schelmisches Lächeln im Gesicht – wie immer, wenn wir mit einander reden.

 

Zum Tod von Hilmar Thate: Zurück ins Universum

Die einen sehen ihn als aufmüpfigen LPG-Vorsitzenden „Daniel Druskat“ (DDR-TV-Serie 1976), die anderen behalten ihn als „König von St. Pauli“ (ARD-TV-Serie 1997), den menschelnden Besitzer des Striptease-Lokals „Blaue Banane“ auf St. Pauli, in Erinnerung. Zwei Rollen, die Hilmar Thate populär gemacht haben – auf konträre Weise in konträren Gesellschaften. In diesen hinterließ er ebenso nachhaltige Spuren auf dem Theater: in Berlin – Ost und West –, München, Hamburg, Bochum, Wien, Basel… Wenn er auf der Bühne stand, war es wie ein Sog, mit dem er die Zuschauer schier atemlos hielt. Herausragend sein Spiel als „Richard III.“ 1972 am Deutschen Theater oder als Mephisto 1990 in der „Faust“-Inszenierung des Schillertheaters.

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Mit Hilmar Thate 2006. Foto: York Maecke

Für mich war Hilmar Thate mehr als nur der brillante Schauspieler. Er war seit 2006, als wir uns für ein Interview trafen und sofort einen Draht zueinander fanden, ein Freund und ein wundervoller Gesprächspartner. Neben dem Ernst der Sache, wenn wir diskutierten über die Belange des Lebens, Politik und was uns bewegte, beim Blick auf die Welt, haben wir viel gelacht. Schon am Mittwoch, es war der 14. September, hat Hilmar Thate dieses Leben verlassen. Er war 85 Jahre alt geworden. Zurück bleiben seine Frau Angelica Domröse sowie seine Söhne Hanno und Sebastian.

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Vor dem Kino Babylon mit seiner Frau Angelica 2009 Foto: André Kowalski

Er hat dieses Leben verlassen – es so zu formulieren, ist legitim. „Unsere Existenz ist ein Kreislauf. Wir haben als kleine Elementarteilchen schon beim sogenannten Urknall existiert. Ich kann mich nicht mit der Erde zufrieden geben“, philosophierte er einmal, als er gerade Stephen Hawkins Buch „Der große Wurf. Die neue Erklärung des Universums“ las.

Ich habe ihn mal gefragt, ob der Tod ihm Angst mache, und er antworte mit Schiller: „Der Körper ist der Attentäter des Geistes.  – Und das ist er in der Tat. Es gibt im Tod eine Trennung von Geist und Körper. Der Körper ist hinfällig, wird der Natur überlassen. Der Geist ist nichts Greifbares. Er ist Energie. Energie geht nicht verloren, sie hebt sich auf, verändert sich. Ich habe in diesem Sinn keine Angst.“

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Faksimile aus Thates Autobiografie „Neulich, als ich noch Kind war“, Lübbe 2006

Es war mir unvorstellbar, dass etwas seinen regen Geist, der so tiefgründige Gedanken hervorbrachte, auslöschen könnte. Es ging ihm schon eine Weile nicht gut, wie ich von Angelica Domröse bei meinen sporadischen Anrufen erfuhr. Als wir Ende Juli telefonierten, erzählte sie: „Er geht nicht mehr ans Telefon, aber ich frage ihn, ob er dich sprechen möchte.“ Er wollte nicht. Und wir hatten oft und lange miteinander telefoniert. „Die Krankheit schlich sich langsam ein, über drei, vier Jahre“, sagte sie.

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Mit Manfred Krug 1976 in „Daniel Druskat“, Repro aus „Neulich, als ich noch Kind war“

Und so lange ist auch mein letztes Interview mit ihm her. Damals fragte ich ihn, was ihn in seinem Alter – er war gerade 80 geworden – noch vorwärts treibe. „Das Denken“, antwortete er. „Wenn das vorbei ist, bin ich tot. Im Spiel des Lebens haben wir nicht die Hauptrolle und schon gar nicht für ewig. Aber so lange ich existiere und atmen kann, neugierig bin, habe ich diese heilige Unruhe in mir, weiterzudenken, weiterzudrängen, in Frage zu stellen oder zu verändern. Ich liebe Veränderungen.“

Zeit seines Lebens suchte er nach dem Sinn seines Daseins. „Ich weiß nicht, warum ich hier bin, ich weiß nur, dass es anfängt und wieder aufhört irgendwann. Dazwischen passieren lustige Erlebnisse, schöne Dinge, reizvolle Zustände. Es gibt Spaß und Schmerz. Das, was man Leben nennt.“ Er wollte nie lebend ein Elend ertragen und musste doch machtlos hinnehmen, dass ihn sein Körper verriet. Dass das Denken aufhörte. Angelica Domröse, mit der er 40 Jahre die Höhen und Tiefen ihres gemeinsamen Lebens durchmaß, beschützte ihn, schirmte ihn ab. Sie brachte soviel Kraft auf, wie sie nur konnte, für ein würdiges Dasein in den letzten Monaten.

img_3690Beide hatten 1980 die DDR verlassen. Nicht freiwillig. Nach der Unterzeichnung der Petition gegen die Ausbürgerung Wolf Biermanns 1976 gerieten sie in Konflikte mit dem Staat. Man drängte sie, die Unterschrift zurückzunehmen. Sie taten es nicht. „Wir wurden unserer Existenzgrundlage beraubt, ich bekam keine Rollen mehr. Aber ich bereue meine Unterschrift im Nachhinein nicht eine Sekunde“, stand Hilmar Thate zu der Entscheidung. Es war nicht wegen Biermann, sondern ihr Protest gegen die ideologische Gängelung der Kunst. Hilmar wurde erlaubt, in Basel zu spielen. 1978 am Theatre Nanterrre. Nach der Rückkehr wurde es immer schwieriger für beide Spitzenschauspieler. Ein Angebot vom Schiller-Theater ließ den Gedanken ans Weggehen aufkeimen.

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Als George mit Ehefrau Angelica Domröse in der Titelrolle „Wer hat Angst vor Virginia Woolf“. Foto: Anneliese Heuer (Repro)

Eine Zerreißsituation, in der sie Rat bei einem guten Freund, dem Schriftsteller Stefan Heym, suchten. „Tut es, ihr gehört auf die Bühne, das ist hier nicht möglich“, riet er ihnen. Hilmar Thate schrieb einen Brief an des Politbüro der SED. „Auf jeden Satz kam es da an. Als ich ihn zur Poststelle des ZK am Hausvogteiplatz brachte, plagte mich eine Beklemmung“, erinnerte er sich, als wir über diese Zeit und ihren Ausreise sprachen. Aber das Angebot, in der DDR wohnen bleiben und dauerhaft im Westen arbeiten, lehnte Hilmar Thate aus moralischen Gründen ab. „Ich komme vom Dorf, mein Vater war Schlosser, ich wollte kein Privilegierter sein.“
1980 siedelten sie nach Westberlin über. „Es gibt keine  Rückkehr für euch“, gab ihnen DDR-ChefideologeKurt Hager persönlich mit auf den Weg. „Die Riege der alten Männer an der Spitze der DDR hat mit ihrer kleinbürgerlichen Beschränktheit das Land ruiniert“, war Hilmar Thate überzeugt.

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Der zehnjährige Hilmar

Ein neuer Anfang in einer Welt des Kapitalismus, die eigentlich nicht ihre war. Das Eingewöhnen war schwer, die Arbeit half. Beide hatten Glück. Hilmar Thate wurde am Schillertheater engagiert, brillierte gleich in Peter Zadeks Inszenierung „Jeder stirbt für sich allein“ und zusammen mit Angelica im Schlosspark-Theater als George in Edward Albees († 16.9.2016) Stück „Wer hat Angst vor Virginia Woolf“. Sie bauten sich ein neues Leben auf.

Thate hatte über 30 DEFA- und Fernsehfilme in der DDR gedreht, parallel zu seiner Theaterarbeit. 1954 holte Wolfgang Staudte den  Schauspieldebütanten vom Cottbuser Theater vor die Kamera für seinen Film „Einmal ist keinmal“. 1958 gelang dem Jungschauspieler, von Helene Weigel ans Berliner Ensemble engagiert zu werden, das er bis 1970 mitgeprägt hat. „Wir traten wie Weltklasseleute auf – und vielleicht waren wir es auch dann und wann“, resümierte er die Zeit und das Theater. Für seine Darstellung des Daniel Druskat bekam er den Nationalpreis der DDR und hat ihn nicht zurückgegeben nach der Wende. Die das taten, waren für ihn Opportunisten. Er hat seine kritische Sicht auf die Gesellschaft auch im Westen behalten und dies auch in seinen Rollen spüren lassen. Er arbeitete unter der Regie von Peter Zadek, Ingmar Bergman und George Tabori, stand für Rainer Werner Fassbinder, Volker Schlöndorff und Dieter Wedel vor der Kamera. Hilmar Thate war ein leidenschaftlicher Schauspieler, kraftvoll, hochsensibel. „Immer wieder stehe ich vor jeder neuen Rolle wie der Ochs vorm neuen Tor“, beschrieb er seine Arbeit. Er selbst zählte zu seinen schönsten Arbeiten die Rolle des Sportreporters Robert Krohn in Rainer Werner Fassbinders Film „Die Sehnsucht der Veronika Voss“ an der Seite von Rosel Zech, mit der ihn bis zu ihrem Tod 2011 eine enge Freundschaft verband.

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Als Herodot 1949 am Theater Cottbus

Für den Film „Hitlerkantate“ stand Hilmar Thate 2004 das letzte Mal vor der Kamera. Er mochte nicht mehr spielen, was ihm angeboten wurde. Seine unablässige Lust, vor Publikum zu spielen, erfüllte er sich mit Soloauftritten, in denen er Lieder und Texte von Brecht und Weill vortrug oder mit Lesungen aus seiner 2006 erschienenen Autobiografie „Neulich, als ich noch Kind war“. Der Dorfjunge, der immer wissen wollte, wie die Welt weitergeht hinter dem Ende von Dölau, hat seine Sehnsucht stillen können. Ob er den Sinn seines Daseins gefunden hat? Jetzt am Ende, wo es aufgehört hat? Als „Sternenasche“, wie er es formulierte, kehrt er zurück in den Kreislauf des Universums.

Mehr über den Schauspieler in dem Beitrag Hilmar Thate – Ein Guerillero auf der Suche 

Zum Tod von Rolf Losansky: Sein Herz schlug für die Kinder

Wer ihn kannte und mochte, wünschte, er wäre nach seinem schweren Schlaganfall im Juli 2013 wieder auf die Beine gekommen und hätte das tun können, was ihm immer das Liebste gewesen war: Mit seinen wunderbaren Filmen zu Kindern reisen, sich ihren Fragen stellen und hören, was sie denken – über die Knirpse aus dem Kinderheim, die sich auf die Suche nach dem Dieb des „Wunderbunten Vögelchens“ machen, über „Moritz in der Litfaßsäule“ oder über Alex, der sich in seiner Phantasie jeden Tag als Indianer auf den „Langen Weg zur Schule“ begibt.

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Mai 2015. Regisseur Rolf Losansky (l.) mit seinen Darstellern Gojko Mitic und Frank Träger aus dem Film „Der lange Ritt zur Schule“

Die Aussicht war gering. Sein Sprachzentrum war schwer geschädigt, eine rechtsseitige Lähmung zwang den unermüdlich rotierenden Kinderfilm-Regisseur in den Rollstuhl. Doch er hat gekämpft, wollte es zwingen. Das verrieten mir seine Augen, als ich ihn vor ein paar Monaten besucht habe. Dieser Tage wollte ich wieder zu ihm nach Potsdam fahren. Zu spät. Gestern früh, am 15. September, hat Rolf Losansky aufgehört zu kämpfen. Vor drei Wochen war eine Gesichtsrose bei dem 85-Jährigen ausgebrochen. „Sie war sehr schmerzhaft, ich musste Papa ins Krankenhaus bringen. Zum Schluss wollte er nicht mehr“, erfahre ich von seiner Tochter Danka. „Drei Tage saß ich an seinem Bett, hielt seine Hand, als er ging“, sagt sie und: „Es tut sehr weh, aber es ist jetzt gut so.“

„Er war ein Kämpfer, warmherzig, immer fröhlich, manchmal auch mufflig, aber nie böse. Er ging freundlich mit den Menschen um, sogar mit seinen Neidern“, beschreibt sie ihren Vater, den seine DEFA-Kollegen, Schauspieler, Filmkinder und Freunde genau so in Erinnerung behalten werden. Wenn er mir von seinen Dreharbeiten erzählte, schwang darin immer eine Verschmitztheit und Komik mit, die – neben der großen Nachdenklichkeit – auch in seinen Filmen zu spüren ist. Rolf Losansky hat sich den Träumen, Sehnsüchten und Sorgen der Kinder angenommen, ihren Alltag in seinen Geschichten trickreich mit phantastischen Elementen verwoben, sodass Lehrreiches nie mit dem erhobenen Zeigefinger daherkam.

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Szene aus dem Film „Das Schulgespenst“ 1986

Seine Filme sind Gegenwartsmärchen, die mit einer komödiantischen, ironischen Erzählweise begeistern. „Das Schulgespenst“ (1986), „Ein Schneemann für Afrika“ (1977) oder „Moritz in der Litfaßsäule“ (1983) haben in ihrer Thematik nichts an Aktualität verloren. „Ich habe 23 Spielfilme für Kinder gemacht“, erzählte er mir einmal. „Wenn ich sie heute zeige und die Kinder Zugabe rufen, weiß ich, dass ich es richtig gemacht habe. Kinder sind sehr kritisch. Sie sind ehrlich. Sie heucheln keine Begeisterung.“ Nie waren ihm ihre Fragen zuviel.

Nach der Wende hat er noch drei Filme gedreht, 1992 „Zirri – das Wolkenschaf“, 1993 „Friedrich und der verzauberte Einbrecher“ (gespielt von Rufus Beck) und 1998 die Märchenverfilmung „Hans im Glück“.

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Im Juni 2013 mit Andreas Bieber und Marlene Marlow, Hauptdarsteller in Losanskys Märchenfilm „Hans im Glück“

Persönliche Schicksalsschläge nahmen ihm die Kraft. Der ungeklärte Tod seines Sohnes, der Kapitän eines Containerschiffes war und im Bermuda Dreieck ums Leben kam, brach ihm das Herz. Posttraumatische Erinnerungen aus seiner Kindheit machten ihm zu schaffen. „Ich komme aus Frankfurt/Oder von der polnischen Seite, habe sowohl Panzerangriffe erlebt als auch schwere russische und amerikanische Bombenangriffe in Augsburg, wohin wir geflohen waren. Ich kann heute noch in keinen kleinen Keller gehen. Mit der Kraft der Jugend konnte ich die Bilder von Leichen, an denen ich vorbei gerannt bin, verdrängen. Je älter ich werde, desto häufiger suchen sie mich heim“, erzählte er in unserem ersten Interview. Als Berater und Mentor arbeitete er dann mit jungen Regisseuren. Er wollte in ihnen das Feuer wecken, das noch immer in ihm loderte. So wie die Altmeister der Regie Martin Hellberg, Kurt Maetzig und Andrew Thorndike in den 50er und 60er Jahren dieses Feuer in ihm entfacht hatten.

losanskyRolf Losansky ist auf Umwegen Regisseur geworden. Am 18. Februar 1931 als Sohn eines Schriftsetzers und einer Krankenschwester geboren, lernte er nach der Schule zunächst Buchdrucker. Er absolvierte die Arbeiter- und Bauern-Fakultät, studierte dann drei Semester Medizin, bevor ihn als 24-Jährigen „der Virus Film mit Haut und Haaren fraß“. Seine erste Regie-Assistenz bekam er bei DEFA-Regisseur Frank Beyer bei den Dreharbeiten für den Film „Königskinder“ mit Annekathrin Bürger und Armin Mueller-Stahl in den Hauptrollen. Mit seinem aufmerksamen Blick ersparte er dem Regisseur damals eine große Peinlichkeit und der DEFA hohe Kosten, hätte man den Fehler erst beim Schnitt entdeckt.  Im Atelier wurde eine Flugszene simuliert. Dazu ließ man hinter den Fenstern der Flugzeugattrappe auf einer Leinwand Wolken vorbeiziehen. Frank Beyer konzentrierte seine Aufmerksamkeit auf die Schauspieler und übersah, dass die Wolken das Flugzeug überholten. Rolf Losansky, der später dazu kam, erfasste das mit einem Blick und rief: „Kamera aus!“ Man hatte den Film falsch herum eingelegt. „Das war so ein Tag, an dem man als Regie-Assistent abends zufrieden ins Bett geht. Und ich brannte darauf, bald selbst so ein Leben erzählen zu können“, erinnerte er sich beim Erzählen dieser Episode.

img_3885Als Regie-Assistent suchte er für den Film „Nackt unter Wölfen“ die Kinderdarsteller aus und merkte, dass ihm die Arbeit mit Kindern lag und Spaß machte. Seine Frau Annelore, die Liebe seines Lebens, brachte ihn auf die Idee, Filme für Kinder und Jugendliche zu drehen. Sie waren 35 Jahre glücklich verheiratet, als sie 1991 starb. „Sie war Lehrerin und hielt unsere Familie in Schwung“, erzählt Danka.  1963 drehte er dann mit dem Abenteuerfilm „Geheimnis der 17“ seinen ersten eigenen Kinderfilm und noch im selben Jahr dreht er mit der „Suche nach dem wunderbunten Vögelchen“ seinen ersten Erfolgsfilm.
Der Abschied von Rolf Losansky fällt schwer. Ich hoffe sehr, dass seine Filme, die er am Leben erhalten hat, nicht vergessen werden.