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Die Goldene Stimme von Prag ist verstummt. Meine Erinnerungen an den Sänger Karel Gott

Als ich meinen Blog 2015 eingerichtet habe, musste ich nicht lange überlegen, welches meiner Interviewfotos am besten für mein Anliegen steht, über Künstler und Schauspieler zu schreiben, die von Millionen Menschen im Osten geliebt und verehrt werden. Das war und bleibt die „Goldene Stimme von Prag“, Karel Gott. Er schlief in der Nacht zum 1. Oktober 2019 für immer ein. Karel Gott, der am 14. Juli 80 Jahre alt geworden war, starb an einer akuten Leukämie, nachdem er in den vier Jahren zuvor zwei schwere Krebserkrankungen überstanden hatte. Millionen Menschen werden ihn mit seinen Liedern im Herzen behalten, die auf mehr als 150 Alben verewigt sind. Bei uns machten ihn vor allem „Fang das Licht“, Babička“, „Einmal um die ganze Welt“, „Lady Carneval“ und natürlich „Die kleine Biene Maja“ populär, in Tschechien sind es unendlich mehr. In seiner Heimat trägt er den Ehrentitel „Mistr“ (Meister), der vor ihm nur an den Reformator Jan Hus (1370-1405) vergeben wurde.

Karel Gott
Während meines Besuches bei Karel Gott machten wir einen Spaziergang an der Modau @ Handyfoto Bärbel Beuchler

Für mich ist es der Mensch Karel Gott, den ich kennen und schätzen gelernt habe, an den ich mich immer erinnern werde.  Meine erste Begegnung hatte ich mit ihm im November 2006, als er in Berlin sein erstes Album mit Wiegenliedern vorstellte. Animiert dazu hatte ihn seine fünf Monate zuvor geborene Tochter Charlotte Ella. In dem kurzen Interview, das ich damals mit ihm führte, erzählte er voller Wärme: „Es ist interessant zu beobachten, wie sie reagiert. Ihre Augen werden ganz weit, wenn ich singe und Tränen versiegen sofort.“

Damals hätte ich nicht gedacht, dass ich ihn für ein langes Gespräch in seinem Haus im Prager Stadtteil Smíchov treffen würde. Es sollte um seine Rolle in dem Märchenfilm „Teuflisches Glück“ gehen, den „SUPERillu“ 2014 in ihrer DVD-Kultkino-Edition veröffentlichte. Aus dem Anlass wurde eine Reflektion seines damals 75-jährigen Lebens, seiner Karriere, die ihn durch zwei Welten trieb, und die Suche nach dem Glück. Ein Star – nahbar, ehrlich im Denken.

Müßig, einem Prager Taxifahrer die Adresse zu nennen. Jeder Einheimische kennt sie: Nad Bertramkou 18, im Pager Stadtteil Smíchov. Die Straße endet in einem Rondell vor einem Hügel, gesäumt von Villen aus den 30er Jahren. In diesen Tagen, seit dem Tod von Karel Gott, zieht sich ein nicht enden wollender Strom aus Blumen, Kerzen und Abschiedsbriefen die Straße hinunter. Von überall her kamen die Menschen, um seiner Frau Ivana und seinen Töchtern Charlotte Ella und Nelly Sophie ihr Beileid zu bekunden. Die Beisetzung war am 12. Oktober, zuvor hatten Tausende Menschen an seinem Sarg Abschied genommen.

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Tausende Menschen waren am 11. und 12. Oktober 2019 über die Karlsbrücke zum Prager Sophienpalast gezogen, um Karel Gott die letzte Ehre zu erweisen. Sein Sarg, der im großen Saal stand, war mit weißen Rosen bedeckt © Bärbel Beuchler

Es war ein heißer Tag damals, der 7. Juli 2014, als wir unseren Interviewtermin mit  Karel Gott hatten. Er hatte uns zu sich nach Hause eingeladen. Ich war aufgeregt wie selten vor einem Interview. Dem Fotografen Boris Trenkel ging es ähnlich. Und dann standen wir auch noch 20 Minuten zu früh vor dem Gartentor zu seinem Grundstück. Dicht gewachsene Lärchen und Tannen schirmen das Haus ab. Das Tor war nicht verschlossen, eine Klingel gab es nicht. Wir hätten hineingehen müssen, um zu klingeln. Nein, das hätte seine Familie vielleicht in Verlegenheit gebracht. Wir warteten also im Schatten einer riesigen Konifere, die sich hinter dem Zaun in den Himmel reckt. Und wir hatten gut daran getan. Denn kurz vor unserem Termin um elf öffnete sich die Haustür und seine Frau Ivana kam mit ihren Töchtern Charlotte Ella und der zwei Jahre jüngeren Nelly Sophie heraus. Ein freundliches „Dobrý den“ und „Na shledanou!“, und schon waren die Drei weg. „Sie geht mit den Mädchen auf den Spielplatz“, erklärte Karel Gott, der in dieser Minute in der Tür stand und uns hereinbat. Die Kinder haben nichts in seiner Medienöffentlichkeit zu suchen.

In der kleinen Diele standen Schuhe und hingen Kindermäntel und Jacken. Man spürte, dass in diesem Haus gelebt wird. Karel Gott führte uns ins Wohnzimmer. Mein Blick schweift über die Einrichtung. Sie zeigt Geschmack und Stil des Hausherrn. Und, dass in diesem Haus gelebt wird. Es sei, so wie es gebaut ist, erklärte er später auf dem Weg an die Moldau, wo er gern spazieren ging, mit einem großen Wohnraum unten, einer Küche und drei kleineren Zimmern in der oberen Etage, nicht für eine Familie mit zwei Kindern geeignet. Deshalb hat er sein Arbeitszimmer oben für die Mädchen geräumt und ist mit Schreibtisch und Computer nach unten gezogen. „Ich habe jetzt hier eine kleine Ecke“, sagte er und lächelte. Die Kinder dürfen überall spielen, nur sein Arbeitsplatz ist für sie tabu.

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Mein Gespräch mit Karel Gott am 7. Juli 2014 in seinem Haus. Im Hintergrund seine Arbeitsecke. An der Wand Bilder, die er selbst gemalt hat. Er wollte eigentlich Malerei studieren, bestand aber sie Aufnahmeprüfung an der Prager Kunstschule nicht. © Bärbel Beuchler

„Möchten Sie Kaffee, Tee, Wasser?“ Karel Gott war ein perfekter Gastgeber, freundlich, zugewandt, charmant, obwohl ihn seit Tagen Journalisten mit Interviews anlässlich seines damals bevorstehenden 75. Geburtstages und seiner ersten Autobiografie „Zwischen zwei Welten“ nervten. Karel Gott war sich des Vorzugs bewusst gewesen, ein „Doppelleben“ führen zu können. Er sagte mir damals: „Viele haben mir nach der Wende vorgeworfen, dass ich Privilegien hatte. Das ist so eine oberflächliche, dumme Sicht. Jeder, der im System gearbeitet hat, wurde vom System bezahlt. Die Staatsmacht hat mich reisen lassen, weil ich dem Land Devisen brachte.“ Es hätte nur die Möglichkeit für ihn gegeben, zu emigrieren. Aber das wollte er nicht. Er wollte bleiben, arbeiten und für sein Publikum singen. „Ich verstand mich als musikalischer Botschafter für mein Land. Das haben die meisten meiner Landsleute auch so verstanden.“ Dafür nahm er in Kauf, vor jedem Auslandsgastspiel im Westen zu bangen, dass ihm die Gastspielagentur Prago-Konzert trotz oder gerade wegen seiner Popularität den Pass verweigerte. „Man ließ mich spüren: Wir zeigen mit dem Daumen rauf oder runter.“ Zeit seines Lebens vertrat Karel Gott die Ansicht, dass Politik und Kunst besser zu trennen sind. „Gesang ist keine Kanone“, fügte er mit Nachdruck hinzu.

Karel Gott , besuch in Prag
Karel Gott hatte für seine Töchter Charlotte und Nelly sein Arbeitszimmer geräumt. Komponiert und geprobt hat am Klavier im Wohnzimmer © Boris Trenkel

Unser Gespräch begann in der Küche, mit einer Tasse Kaffee in der Hand. Dann führte uns Karel Gott auf die Terrasse und zeigte uns den malerischen Blick auf Prag, den er sehr geliebt hat. Wie auf einem Silbertablett breitete sich die Stadt hinter dem Fluss vor uns aus. Auf der Wiese, die hinten leicht abfällt, eine Schaukel für die Mädchen. Karel Gott hatte das Haus Ende der 60er Jahre für sich und seine Eltern gekauft.

Karel und Marie Gott waren 1945 mit ihm von Pilsen nach Prag gezogen. Da war er sechs Jahre alt. Er habe bis zu dem Zeitpunkt, als sich der zweite Weltkrieg dem Ende neigte, eine schöne, behütete Kindheit – den Umständen entsprechend gesehen, hatte er im Rückblick noch hinzugefügt. „Wir fühlten uns relativ sicher, die Schrecken des Krieges schienen an uns vorüber zu gehen.“ Als Ende 1944, Anfang 1945 die Bomben der englischen und amerikanischen Alliierten auf die Stadt und die Škoda-Werke fielen, wurde auch das Haus in der Slovanská-Straße, in dem die Familie Gott wohnte, getroffen. „Wir hatten Glück, dass wir alle am Leben geblieben sind.“ Verstanden hatte der Fünjährige den Angriff auf die Wohnhäuser nicht. In seiner Erinnerung ist die Frage an seinen Vater hängengeblieben: „Die sind doch unsere  Freunde, die Alliierten, oder? Warum werfen die dann Bomben auf uns?“, als wieder einmal Tiefflieger über Pilsen kreisten. „Auf die Schnelle wusste mein Vater darauf keine Antwort.“

Der Krieg war vorbei, doch die Familie Gott war ohne Dach über dem Kopf. „Ich blieb bei meiner Oma auf dem Land, während meine Eltern in Prag eine neue Bleibe suchten. Mein Vater fand eine neue Anstellung und wir zogen in die Hauptstadt.” Zuerst lebten sie im Stadtteil Kobylisy, später dann in Smíchov.  Bis zur Wende ein Arbeiter- und Industrieviertel mit Textilfabriken, Brauereien und einem Eisenbahnwagonwerk, in dem die berühmten Tatra-Bahnen gebaut wurden. Das Werk wurde abgerissen. Auf dem Platz steht heute die Prager O2-Arena, in der Karel Gott Konzerte gegeben hat. „So bin ich nach der Wende zu meinen Wurzeln zurückgekehrt“, erzählte er.

c/o Boris Trenkel
Hinter Karel Gott und mir der Blick von seiner Terrasse auf Prag.  „Lassen Sie uns reingehen, es wird auf der Terrasse um Mittag herum sehr heiß“, meinte er wissend. Ich hätte den Blick noch ewig genießen können. Es entspann sich ein sehr offenes Gespräch. © Boris Trenkel

Die Musik war nicht die erste Wahl des jungen Karel. Seine künstlerischen Ambitionen gehörten seit seiner Schulzeit der Malerei. Die Mutter schenkte ihm Bücher mit Bildern der großen Meister, Rubens, Botticelli…, die er versuchte nachzumalen. Sein Klassenlehrer half ihm, sich auf ein Studium an der Kunstschule UMPRUM vorzubereiten. „Ich bestand die Aufnahmeprüfung aber nicht und machte eine Lehre zum Starkstrom-Elektromonteur im Straßenbahnwerk ČKD, wo mein Vater gearbeitet hat. Als ich 1957 meinen Facharbeiterbrief in der Hand hielt, war er stolzer als ich“ erinnerte sich der Sänger. Die Lehre hatte ihm nicht gerade eine Freude bereitet.

Seit der Kindheit gehörte seine Leidenschaft neben der Malerei dem Film und der Musik. Während seiner Lehrzeit trieb es ihn in die Prager Nachtklubs, wo handgemachte Musik gespielt wurde. Seinen Freundinnen gaukelte er vor, er sei Film- und Theaterschauspieler. Das war zeitlebens seine stille Sehnsucht. Hin und wieder durfte er in Filmen mitspielen, aber meistens als er selbst. „In dem Märchenfilm Teuflisches Glück trat ich zum ersten Mal als jemand auf, der nichts mit mir zu tun hatte.“ Er spielte sowohl den Teufel Luzifer und als auch Gott. „Ich war ein Teufel mit menschlichem Antlitz, streng, aber nicht böse, sondern sympathisch.“ 2018 erfüllte sich für Karel Gott ein unerwartetes Glück. Er spielte zusammen mit seinen Töchtern und seinem Enkelsohn Aleš die Hauptrollen in dem zauberhaften tschechisch-slowakischen Märchenfilm „Das Geheimnis des zweiköpfigen Drachen“.

Seine ersten Platten Anfang der Fünfziger schickte ihm seine Tante, die in Hessen wohnte. „Das war Westmusik. Rock’n’Roll. Diese Art von Musik gab es bei uns in der Zeit nicht, die geprägt war vom Stalinismus. In den 60ern wurde die politische Lage offener gegenüber Westmusik. Ich steckte mein ganzes Geld in Platten. Es waren Schätze, die wir zusammengetragen haben. Das hatte etwas von Rebellion. Wir empfanden uns als Botschafter, die diese Musik hierhergebracht haben“, erinnerte er sich. Es war für ihn Freude und gleichzeitig Investition. „Ohne diese Stadt, ohne die Platten wäre ich nie Musiker geworden.“ Sein Deutsch lernte er übrigens auch in dieser Zeit mit Hilfe von Zeitschriften, die die Tante mit in ihre Pakete legte.

Die Musik ließ Karel Gott nicht mehr los. Er lernte Gitarre und begann die Titel auf den Platten mit- und a cappella nachzusingen. In der Badewanne, auf der Straße, in der Fabrik vor den Kollegen. 1957 hatte er auf einer Country-Musikveranstaltung in der Nähe von Prag seinen ersten Auftritt vor unbekanntem Publikum. Zwei Jahre später hörte ihn die tschechische Jazzlegende Karel Krautgartner bei einem Wettbewerb und holte ihn als Sänger in sein Orchester. „Obwohl ich damals bei einem Talentwettbewerb durchgefallen war. Krautgartner sagte mir damals: ,Mach dir nichts draus, Junge. Wichtig ist, dass es dem Publikum gefallen hat. Das ist das Entscheidende. Wenn du mit uns singen willst, komm zu unserer Jamsession.‘ Seine Worte waren Musik in meinen Ohren. Es war für mich unglaublich aufregend, mit diesen berühmten Profis zu arbeiten.“

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Es machte Spaß, dem Sänger beim Erzählen zuzuhören. Er sprach im Interview Deutsch. Gelernt hatte er aus bunten Zeitschriften, die ihm seine Tante aus dem Westen schickte. © Bärbel Beuchler

Schnell entwickelte sich der gutaussehende junge Amateursänger zum Geheimtipp in der Prager Musikszene. Bald holten ihn auch andere Bands als Frontmann und Musik und Arbeit in der Fabrik ließen sich nicht mehr vereinbaren. Der Anfang 20-Jährige musste sich entscheiden, in welche Zukunft ihn sein Weg führen sollte. Und die hieß für ihn erst einmal Studium am Konservatorium. „Eine zusätzliche Motivation, die mit der Musik und den bescheidenen Gagen nicht viel zu tun hatte: Ich hatte als Sänger meine ersten weiblichen Fans! Für einen jungen Mann war es der Traum schlechthin, von schönen Frauen verliebt angeguckt zu werden. Es hat meine Seele gestreichelt. Ich hatte viele Freundinnen, oft mehrere gleichzeitig. Als Fabrikarbeiter lagen einem die Mädchen nicht wirklich zu Füßen“, verriet er mit schelmischem Blick. „Deshalb habe ich bei meinen Dates als Lehrling auch immer geflunkert und mich als Schauspieler ausgegeben.“

Man muss kein Schlagerfan sein, um von dem Sänger und seinen Liedern berührt zu werden. Was im Übrigen ohnehin zu eng betrachtet wäre. Karel Gott bediente weit mehr Genres. Er sang Rock’n’Roll, Jazz, Blues, Country , Opern- und Operetten. Karel Gott hat in seiner Stimme Klarheit und Seele vereint. Woher er die „Goldene Stimme” habe, wollte ich von ihm wissen. Die Antwort kleidete er in eine Episode.
Einer seiner Lehrer war der russische Tenor Konstantin Karenin. „Karenin brachte mir nicht nur die Kunst des Belcanto bei, sondern tolerierte auch meine Pop-Ambitionen. Er war ein alter Charmeur. Man hat gespürt, dass er in seiner Zeit ein Gentleman war. Mit 70 hat er bei seiner Schülerin, als sie mit dem Studium fertig war, um ihre Hand angehalten. Er starb auf einer Bank im Park mit einem Buch in der Hand und einem Lächeln um den Mund. So glücklich war er“, erzählt sein Meisterschüler Gott.

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Fotograf Boris Trenkel filmte unser Gespräch mit meinen Handy. Ich habe Screenshots davon gemacht. © Bärbel Beuchler

1963 erschien seine erste Single, die tschechische Version von „Moon River“. Noch nicht 30 Jahre alt avancierte Karel Gott in seiner Heimat zum Superstar. 1966 hörte ihn der Chef der Plattenfirma Polydor auf einem Festival in Bratislava und war sofort überzeugt, dass dieser junge Mann auch in Deutschland die Schlagerfreunde begeistern würde. Er hatte sich nicht geirrt. Karel Gotts erste Single in Deutschland wurde mit dem Titel „Weißt du wohin“ sofort ein Riesenerfolg. Seinen wirklichen Durchbruch feierte er 1970 mit dem Schlager „Einmal um die ganze Welt“, den er in der DDR nicht singen durfte. Der sich darin spiegelnde Traum des aus einfachen Verhältnissen kommenden Sängers wurde aus politischer Engstirnigkeit verboten. Es war die Angst, die DDR-Bürger könnten es zur Hymne gegen das Reiseverbot in den Westen erheben. Als Hit wurde es hier trotzdem gefeiert. Man hörte schließlich Westradio!

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Zum Abschluss meines Besuches signierte mir Karel Gott sein Buch

Die Anfangs holprig beginnende Karriere der „Goldenen Stimme aus Prag“, ein Label, das die Polydor erfand, nahm von da an einen steilen Verlauf. 1967/68 folgte der Einstieg in Amerika. Ein halbes Jahr Las Vegas. Ein No-Name aus dem Ostblock sollte und wollte das amerikanische Publikum gewinnen, dass so ganz andere Vorstellungen von einem Entertainer auf der Bühne hat. Man präsentierte ihn als den ersten Künstler „from behind the Iron Curtain“, als ersten Kommunisten auf einer Bühne in Las Vegas. „Ja, so wurde ich verkauft“, erinnerte er sich. „Man hatte alles schon mal in Las Vegas, aber jemanden aus dem ,Reich des Bösen‘, als lebendes, singendes Ausstellungsobjekt noch nie.“ Sein Protest, dass er nie Kommunist gewesen ist, wurde weggewischt. Das sei Showbusiness. „Es war eine so harte Schule, dass ich alles locker fand, als ich zurückkam. Normalerweise hätte mir die Konkurrenz, die es in der damaligen BRD für mich gab, schweres Lampenfieber vor jedem Auftritt und Magengeschwüre verursacht. Aber mein Manager in Las Vegas hat mir eingetrichtert: Du musst hier mit der Überzeugung auf die Bühne gehen, dass sich die Leute glücklich schätzen können, dich sehen und hören dürfen. Die Leute wollen einen a priori Sieger sehen. Das waren die Gebote, und die klangen nach teurem Zirkus. Ich kehrte sehr selbstbewusst und ein bisschen frecher zurück.“

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Seine erste Autobiografie war kurz vor meinem Besuch 2014 erschienen. © Bärbel Beuchler

Nur eins hatte er sich nicht angenommen. Die Arroganz der amerikanischen Künstler. Man hatte ihm gesagt: Nur nicht bedanken. Und das lag nicht im Charakter von Karel Gott. Menschen, die ihm seinen Erfolg brachten, verdienten seinen Dank, seine Achtung. Trotz seines Erfolges war er einer, der bescheiden geblieben ist. „Ich bin keiner, der sich hinter Bodygards versteckt, der sein Publikum stehen lässt oder gar beschimpft, wie ich es bei Judy Garland erlebt habe. Ich gehe allein durch Hamburg, durch Paris. Ich brauche diese Schau nicht. Ich bin ein Romantiker. Am Ufer entlanggehen, in die Sterne gucken, sich inspirieren lassen von schönen Frauen, die vorbeigehen und denken: Wie soll mein nächstes Lied klingen. Das ist meine Vorstellung.

Und wieder waren wir beim Thema Frauen. Karel Gott bezeichnete sich selbst immer als ewigen Junggesellen. „Das hat mit meinem Lebensgefühl zu tun. Ich denke immer, das Beste kommt noch. Ich brauchte die ständige Verliebtheit, um etwas zu kreieren. Ich hatte Angst, wenn ich heirate kommt die Romantik abhanden. Manch eine hat bei mir gefrühstückt, aber nie bekam eine den Haustürschlüssel.“ Das änderte sich, als er die 37 Jahre jüngere Fernsehmoderatorin Ivana Macháčková kennenlernte. Sie war die Erste, der er einen Schlüssel zu seinem Haus und zu seinem Herzen gab. „Ich musste mir ihr Vertrauen erarbeiten. Sie ließ sich nicht sofort auf mich ein. Wir haben uns aber auch sieben Jahre Zeit gelassen, bis ich ihr in Las Vegas einen Heiratsantrag gemacht habe. Die Trauzeugen haben wir uns im Hotel gesucht. Zwei Kellner im Anzug.“ Er lacht. Sie heirateten am 7. Januar 2008 in der Graceland Hochzeitskapelle des Hotels „New Frontier““. Keine Blitzhochzeit, weil die zweite Tochter Nelly Sofie war unterwegs. Dass es sein Leben miteinander verbringen will, wusste das Paar spätestens seit der Geburt ihrer Tochter Charlotte Ella 2006.

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Ein glücklich strahlender Ehemann und Vater. Karel Gott hatte am 7. Januar 2008 die Mutter seiner Tochter Charlotte Ella (*20.4. 2006) in Las Vegas geheiratet. © Karel Gott Privatarchiv

Woher nehmen Sie nun als Vater und Ehemann Ihre Inspiration, wollte ich wissen. Er lächelt, die braunen Augen sprachen von einem großen Glück in ihm. „Ich bin kreativ durch die Freude der Kinder, die morgens am Bett stehen, fröhlich sind und sagen: ‚Vati, Schlafmütze, aufstehen!‘ Oder mir ihre Errungenschaften zeigen. Zeichnungen, ein neues Kleid … Das ist eine Herausforderung, die mich glücklich macht. Ich habe die Stimulation durch eine Famile verkannt“, gestand er.“ Seine beiden erwachsenen Töchter Dominika (*1973) und Lucie (*1987) wuchsen bei ihren Müttern auf. Er war 23, als Dominka geboren wurde, und gerade auf dem Weg, sich die Musik zu erobern. Vater und Töchter lernten sich erst kennen, als sie junge Mädchen waren. „So war das mit den Müttern so abgemacht, aber ich habe immer für sie gesorgt, denn ich liebe alle meine Töchter“, versicherte er.

Immer wieder wurde Karel Gott für seine künstlerischen Leistungen im In- und Ausland geehrt. In seiner Heimat Tschechien hat man ihn mehr als 40 Mal zum Sänger des Jahres gekürt. 41 Mal gewann er den tschechoslowakischen Musikwettbewerb „Goldene Nachtigall”, kurz nachdem er einen Lymphdrüsenkrebs überstanden hatte. Nach einer mühsamen Therapie ging es ihm eine Zeit lang besser, und er stürzte er sich wieder in die Arbeit. Die Fotos zeigten einen jünger wirkenden Mann, der Lebensfreude ausstrahlte.

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Kurz vor seinem Geburtstag im Juli hat Karel Gott das Duett „Srdce nehasnou” mit seiner Tochter Charlotte Ella aufgenommen. Er sprach danach mit großer Bewunderung von der Professionalität der 13-Jährigen. Begleitet wurden sie von Richard Krajčo und seiner Popgruppe „Kryštof“. Anders als gewohnt, wurde das Lied nicht zuerst auf CD, sondern auf dem Youtube-Kanal von Supraphon veröffentlicht. Mehr als 1,4 Mio. Menschen haben es bisher gehört  Foto: Screenshot

Im Mai entstand der Titel „Srdce nehasnou“ – Herzen erlöschen nicht – auf. Ein bewegendes Duett, das der bekannte tschechische Schauspieler und  Songschreiber Richard Krajčo  für ihn und seine 13jährige Tochter Charlotte geschrieben hat. Nach diesem Lied habe er sich schon lange gesehnt, sagte Karel Gott. Es trage die emotionale Tiefe und Energie eines Dialogs zwischen einem Vater und seiner heranwachsenden Tochter in sich, sagte der Sänger, – und die Nachdenklichkeit über die Endlichkeit des Lebens.

Herzen erlöschen nicht

Manchmal weiß man, was der liebe Gott vorhat
Und dass man nicht alle Orte mehr erreichen wird
Aber er ist ein Guter, ein Altruist
Denn er hat mir dich gegeben, ein Zuhause, einen Hafen.
Und in ihm bist du
Meine ganze Welt
Deine gütige Umarmung
Ein wilder Flug
Und um uns herum die Musik
Eine der Schönheiten
Wenn uns der Frost
Über den Rücken läuft.

Du weißt, dass die Herzen nicht erlöschen
Aber es kann passieren
Sehr oft sogar
Dass ich Angst bekomme
Dann darfst du nicht aufgeben
Auf allen deinen Wegen
Werde ich dir, mein einziger Stern,
Weiterhin leuchten
Und was, wenn mich der Strom hinunterzieht
Dann musst du auf ihm segeln
Auf einem Floß aus Lorbeeren
Und nicht auf ihm einschlafen
Auf allen deinen Wegen
Werde ich dir, mein einziger Stern
Weiterhin leuchten

Ich fühle jetzt, wie die Zeit sprintet
Bevor ich einschlafe, möchte ich deine Stimme hören
Damit auch diese paar Augenblicke unendlich bleiben
Als du mit voller Kraft gesungen hast
Ich weiß, deine Wurzel ist zäh wie ein Stamm
Und Bäume wachsen weiter, vergiss das nicht
Auf deren Wipfel führen tausende Wege
Am Ende eines jeden werden wir uns wiedersehen.

Du weißt, dass die Herzen nicht erlöschen
Aber es kann passieren Sehr oft sogar
Dass ich Angst bekomme
Dann darfst du nicht aufgeben
Auf allen deinen Wegen
Werde ich dir, mein einziger Stern
Weiterhin leuchten
Und was, wenn mich der Strom hinunterzieht
Dann mußt du auf ihm segeln
Auf einem Floß aus Lorbeeren
Und nicht auf ihm einschlafen
Auf allen deinen Wegen
Werde ich dir, mein einziger Stern
Weiterhin leuchten
Du weißt, daß die Herzen nicht erlöschen
Aber es kann passieren Sehr oft sogar
Dass ich Angst bekomme
Dann darfst du nicht aufgeben
Auf allen deinen Wegen
Werde ich dir, mein einziger Stern
Weiterhin leuchten

Und was, wenn mich der Strom hinunterzieht
Dann musst du auf ihm segeln
Auf einem Floß aus Lorbeeren
Und nicht auf ihm einschlafen
Auf allen deinen Wegen
Werde ich dir weiterhin leuchten
Manchmal weiß man, was der liebe Gott vorhat

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Michael Hansen hat sich noch einmal getraut

Die schönsten Liebesgeschichten schreibt das Leben. Was für eine Plattitüde, schießt es mir beim Schreiben durch den Kopf. Ich möchte sie löschen und lasse sie doch stehen. Michael Hansen hat sie erlebt und mir erzählt. Und ich durfte am vergangenen Freitag, am 28. Juli um 11.30 Uhr für SUPERillu auf dem Standesamt von Graal Müritz Zeuge ihres Happyends sein. Der beliebte Musiker – er gehörte mit seiner Formation „Michael Hansen & die Nancies“ zu den erfolgreichsten Schlagersängern der DDR – heiratete die Reiseberaterin Petra Kurucz. Zwei Jahre hat er um ihre Liebe gekämpft…

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Hurra, die Sonne kommt! ©Bärbel Beuchler

Hoffen und Bangen auf dem Weg nach Graal Müritz. Spielt Petrus mit? In diesem Sommer hat der Regen das Prä. Und es schien zunächst nicht so, als würde Petrus dem Brautpaar seinen Segen geben. Nach einem hoffnungsvollen Aufklaren hat er über Graal Müritz alle Himmelsschleusen geöffnet. Die Uhr zeigt 10.30 Uhr. Es gießt in Strömen. Doch justament als ein grauer Mercedes mit dem Kennzeichen BAR-MH… kurz nach elf vor dem Rathaus hält, hört der Regen auf. Die Wolken geben die Sonne frei – und sie ihr Bestes. Es wird ein traumhafter Tag.

Strahlend, in weißem Smoking zu schwarzer Hose und schwarzem Hemd, steigt Michael Hansen aus dem Wagen. „Wir sind viel zu früh, die Trauung ist erst um 11.30 Uhr“, sagt er. Verständlich, dass die Braut im Auto sitzen bleibt. „Meine Noch-nicht-Ehefrau ist ein bisschen extravagant, eine Verrückte“, kündigt er lachend an. Die Aufregung trieb die zwei so vorzeitig aus dem Haus. Der Sänger hat ganz in der Nähe eine Finnhütte. Er ist ein Nordlicht, geboren in Güstrow, seit Jahrzehnten am Rand von Berlin zu Hause.

Hochzeit Michael Hansen und Petra Kurucz
Kurzer Plausch vor dem Standesamt in Graal Müritz ©Uwe Tölle/SUPERillu

Die Heimat hat er nie losgelassen. „Die ganze Küste, vom Darß bis hin nach Rügen, ist mein Leben. Da sind viele Dinge entschieden, haben sich viele Dinge ergeben. Von Kindheit an“, erzählt er. Nach dem Abitur hat er in Rostock Schiffsmaschinenbau studiert und machte nebenher mit der „Studiosi“-Band an den Wochenenden Musik. Auch später, als er einer der erfolgreichsten Schlagerinterpreten der DDR war, führten ihn Auftritte immer wieder an die Ostsee. Dort oben lernte er seine erste Frau kennen, Marlies, eine Lehrerin, mit der er zwei Töchter hat. Ihre Ehe scheiterte jedoch nach fünf Jahren.

Hochzeit Michael Hansen und Petra Kurucz
Petras Brautstrauß aus cremefarbenen Rosen ©Uwe Tölle/SUPERillu

Schuld war letztlich Michael Hansens Berufswechsel zum Musiker, der ihn zuviel von der Familie fernhielt und mit Susanne zusammenführte, einer Tänzerin des Fernsehballetts, die 1972 seine zweite Ehefrau wurde. „Es gibt eine starke Beziehung zu dieser Gegend, die mit vielen schönen Erinnerungen, aber auch mit traurigen verbunden ist“, erklärt er. Im Sommer 2008 starb Susanne Hansen bei einer Radtour auf dem Darß an einem geplatzten Aneurysma. Die Ärzte konnten sie nicht retten. Daran muss er denken in dem Moment, wo er sich nach langer Zeit wieder glücklich fühlt und darauf wartet, seinen letzten Ehebund zu schließen. „Als wir heute beim Frühstück saßen“, erzählt Michael Hansen, „haben wir uns gefragt: ,Was machen wir eigentlich?’ und kamen zu dem Schluss: Genau das Richtige. Wir stellen unsere Gefühle nicht mehr in Frage.“

Hochzeit Michael Hansen und Petra Kurucz
Im Rathaus von Graal Müritz wurden der Sänger Michael Hansen und Petra Kurucz am 28. Juli 2017 getraut ©Uwe Tölle/SUPERillu

Michael Hansen hat die Beziehung forciert, will sie nicht in der Luft schweben lassen. „Ich bin endlich da angekommen, wo ich immer hinwollte seit dem Tod meiner Frau. Petra ist ihr Adäquat, eine fröhliche, offenherzige, auf jedermann zugehende Person und ein verrücktes Huhn.“ Er gesteht, dass ihm die attraktive und sympathische Reiseberaterin früher schon gefallen hat. Man kannte sich vom Sehen bei Veranstaltungen des Reiseklubs der Volkssolidarität, bei denen Petra Kurucz die Künstler betreute. Und sie hatten gemeinsame Freunde, den Sänger Peter Wieland und seine Frau, die Moderatorin Dr. Marion Sauer, bei denen man sich auf Geburtstagspartys traf. Doch Michael Hansen war seiner Susanne ein treuer Ehemann.

Hochzeit Michael Hansen und Petra Kurucz
Michael Hansen mit seiner Noch-nicht-Ehefrau Petra auf dem Weg zur Trauung ©Uwe Tölle/SUPERillu

Es ist Zeit. Der Ehemann in spe holt seine Noch-nicht-Ehefrau aus dem Wagen ab. Ihr Hochzeitsoutfit ist tatsächlich ein wenig extravagant, sie selbst hingegen gar nicht. Ihre Begrüßung ist herzlich, sie wirkt angenehm natürlich. Die Standesbeamtin bittet das Paar ins Trauzimmer, wo schon die Titelmusik aus dem Film „Jenseits von Afrika“ spielt. Feierliche Spannung erfüllt den weiß gehaltenen Raum. Aus Michael Hansen ist wieder Klaus Schibilsky geworden, als der er im Dezember 1940 zur Welt kam, damit er die Frau heiraten kann, mit der er von nun an für immer sein Leben verbringen möchte. Ihre Hände suchen sich, legen sich übereinander und schließen einen festen Bund, während die Standesbeamtin von weitsichtigen Freunden spricht, die vor zwei Jahren eingefädelt hatten, dass die beiden zueinander finden.

Hochzeit Michael Hansen und Petra Kurucz
Ein schmaler Platinreif mit einem Brillanten ist der Ehering, den Petra ab jetzt trägt ©Uwe Tölle/SUPERillu

Dann steckt Michael Hansen seiner Braut den Ring an den Finger, einen schmalen Platinreif, den ein Brillant krönt. Mit Kuss und Unterschrift besiegelt das neue Ehepaar Schibilsky seinen Bund fürs Leben. Es gibt nur einen Ehering. „Ich trage grundsätzlich keine Ringe“, erklärt Michael Hansen nach der Zeremonie. Besonders glücklich macht ihn, dass er jetzt sagen kann:  „Das ist meine Frau.“ Er hätte schon viel früher auf sein Herz hören sollen, bekennt er, dann wäre ihm eine Beziehung erspart geblieben, die ihn krank gemacht hat. „Vier verlorene Jahre, die in unserem Alter viel Gewicht haben. Aber vielleicht braucht man so eine Erfahrung, um den Menschen zu erkennen, der einem guttut.“

Hochzeit Michael Hansen und Petra Kurucz
Petra heißt ab jetzt Kurucz-Schibilsky ©Uwe Tölle/SUPERillu

Beim ausgelassenen Fotoshooting am Strand erzählt mir Petra Kurucz-Schibilsky, dass ihre Freundin Marion Sauer und deren Mann Peter Wieland die Ehestifter waren.  „Wir hätten beide heute gern dabei gehabt, aber Marion ist sehr krank.“

Hochzeit Michael Hansen und Petra Kurucz
Michael Hansen unterzeichnet die Eheurkunde mit seinem bürgerlichen Namen Klaus Schibilsky ©Uwe Tölle/SUPERillu

Petra war eine bekennende Singlefrau, glücklich mit ihrem Beruf als Reiseberaterin in einem Verlag für Anzeigenzeitungen in Potsdam, ihrem Freundeskreis, zu dem weniger Michael Hansen als viel mehr seine Frau Susanne gehörte. Sie verband die gleiche Lebensfreude. „Susanne hat mich zu den Elblandfestspielen eingeladen, und wir hatten viel Spaß, während Michi arbeiten musste. Er hat mich damals gar nicht interessiert“, lacht die 64-Jährige.

Hochzeit Michael Hansen und Petra Kurucz
Mach mich ja nicht nass! ©Uwe Tölle/SUPERillu

 Sie war seit 1992 geschieden und hatte kein Interesse mehr an einer Partnerschaft. Es ging zu oft schief. „Ich habe mich lange nicht auf Michael eingelassen, weil ich nicht wieder enttäuscht werden wollte. Aber er hat nicht locker gelassen, mir Grüße bestellen lassen, mich eingeladen. Und ich bin mitgegangen, obwohl ich manchmal gar keine Lust hatte. Das musste doch etwas heißen.“ Weihnachten hat sie ihren inneren Widerstand aufgegeben und mit ihm in seiner Finnhütte gefeiert.

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Fotograf Uwe Tölle und das frischgebackene Ehepaar am Strand von Graal Müritz 

 Es war die Nagelprobe. „Ich bin nur unter der Bedingung mitgefahren, dass es zwei Schlafzimmer gibt.“ Es gab zwei. „Ich war schwer beeindruckt, wie Michael um meine Liebe gekämpft hat. Er hat sich als ein Mann erwiesen, dem ich vertrauen kann“, sagt sie und nimmt seine Hand. Am Valentinstag überraschte er sie mit einem Ring und machte ihr einen Heiratsantrag. „Da hatte er mich schon festgenagelt“, lacht Petra. „Es ist so wunderbar, dass wir in unserem Alter noch einmal die große Liebe erleben.“

Das Lebensmotto für ihre Zukunft heißt aktiv sein, sich am Leben beteiligen. Michael Hansen leitet seit 16 Jahren sehr erfolgreich als Präsident die alljährlichen Elblandfestspiele in Wittenberge und wurde in diesem Jahr für seine Verdienste um das Musikfestival mit der Ehrenmedaille des Vereins Elblandfestspiele e.V. ausgezeichnet. „Wir begnügen uns beide nicht damit, nur im Garten Rosen zu züchten. Trotz vieler Gemeinsamkeiten lassen wir uns die Freiheit, eigenen Interessen nachzugehen.“

Hochzeit Michael Hansen und Petra Kurucz
„Die Liebe ist im Alter nicht anders als in der Jugend. Man macht die gleichen Verrückheiten, um die Frau seines Herzens zu gewinnen.“ Michael Hansen ©Uwe Tölle/SUPERillu

Lutz Jahoda: „Die schnellen Jahre haben begonnen.“

Mit Wiener Charme und Schwejkschem Humor erklomm er die Höhen, durchmaß die Tiefen und überwand die Klippen des Lebens, in das er im Brünner Krankenhaus mit einer „sanften Garotte“ geholt wurde. Nun feiert Lutz Jahoda seinen 90. Geburtstag. Aus diesem Anlass traf ich ihn zum Interview für die SUPERillu (Heft 27/17) in seinem Domizil am Wolziger See. Fesch sah er aus in seinem hellen Anzug. Das Gesicht leicht gebräunt, ja, jugendlich frisch. Die 90 erscheint absurd. Beim Laufen nimmt er einen Stock, schwarz mit silbernem Griff. „Ich bin altersschwach.“ Er meint das ernst, sodass ich es glauben muss, was mir schwerfällt. Unter dem schattigen Dach zweier mächtiger Erlen nehmen wir im Garten Platz. Ein halbes Jahrhundert ist er hier am Wolziger See schon zu Hause. Seine Heimatstadt ist Brünn, heute Brno, in Tschechien. Dort wurde er geboren, erlebte als Elfjähriger den Einmarsch der deutschen Wehrmacht, mit 16 die erste Liebe und wie aufregend Theater sein kann. Bevor er im Februar 1945 in den Zug von Brünn nach Wien stieg, um als freiwilliger Offiziersanwärter der deutschen Luftwaffe – die es zu dem Zeitpunkt nicht mehr gab! – an der Donau im Schützengraben zu landen.

Lutz J. als Kind auf Fahrrad
August 1930 in Brünn. Der dreijährige Lutz mit seiner Mutter Elisabeth (35), der elfjährigen Schwester Elsi und seinem 13-jährigen Cousin Leo aus Wien ©privat

„Der 18. Juni war ein Samstag, der Monat  kühl und feucht. Opernsänger und Grabredner trugen einen Schal. Ich hatte mir mit meiner Wurstelakrobatik zum Ausgang die Nabelschnur zweimal um den Hals geschlungen. Keine gute Ausgangsposition, um ins Leben zu rutschen“, beschreibt Lutz Jahoda seinen Eintritt in die Welt und kommentiert: „Ungerufen kommt Schnitter Tod am liebsten; doch manchmal kommt er auch vergebens.“ Als Schauspieler, Sänger, Moderator und perfekter Entertainer zählte er zu den beliebtesten Künstlern in der DDR. Ihm verdanken die Freunde der heiteren Muse Hits wie den „Kartäuser Knickebein-Shake“,  „Die Blasmusik von Kickritzpotschen“ oder auch „Das Lied vom alten Plattenschrank“. Von 1972 bis 1982 gehörte seine musikalische Revue-Reihe „Mit Lutz und Liebe“, für die er auch die Texte schrieb, zu den besten Unterhaltungssendungen des DDR-Fernsehens.

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Lutz Jahoda und seine Mutter Anfang der 60er Jahre ©privat

Seine Wurzeln mütterlicherseits liegen in Wien, die seines Vaters im Böhmisch-Mährischen. Brünn war ein bedeutendes industrielles und kulturelles Zentrum der Habsburger Monarchie, danach der ersten Tschechoslowakischen Republik, die 1938/39 von Hitlerdeutschland annektiert wurde. Lutz Jahoda hat das Zeitgeschehen, in das er hineingeboren wurde, stets mit wachem Blick beobachtet, in Tagebuchaufzeichnungen festgehalten und die Irrationalität der deutschen Politik auf seine Art mit Wiener Schmäh und tschechischem Witz kommentiert.

Das Interview in voller Länge:

So gut drauf wie Sie, möchte ich meinen 90. Geburtstag auch erleben. Haben Sie sich für Ihr Lebensalter irgendwann einmal ein Ziel gesetzt?
Ich hatte mir selten Gedanken darüber gemacht, wie lange meine Lebensuhr ticken wird. Alter spielte für mich eine untergeordnete Rolle. Aber jetzt, da ich neunzig werde, erlaube ich mir den Übermut und sage: START 90 – ZIEL 100. Ob mir das gelingen wird, bezweifle ich.

Warum das denn?
Ein Arzt wollte mich, als ich erst vierzig war, mit folgendem Satz trösten: „Gemach, gemach, der Mensch fällt stufenweise ins Grab.“ Kein Wunder, dass so ein Satz sofort wieder aktuell wird, wenn man das Gefühl hat, täglich gleich einen ganzen Treppenabsatz hinter sich gebracht zu haben. Die Zeit der schnellen Jahre hat begonnen. Und fest steht schon heute, wer gewinnen wird.

Lutz Jahoda
Am 26. Mai 2017 im Interview mit der Autorin. Lutz Jahoda erzählt schmunzelnd von seinem „Wettrennen“ mit Täve Schur 1960 beim Empfang der Olympiateilnehmer im vollbesetzten „Stadion der Hunderttausend“ in Leipzig ©Michael Handelmann

Was haben Sie sich für die Zeit der schnellen Jahre vorgenommen?
Mich endlich auszuruhen und zu beobachten, ob und wie meine neueste Arbeit fruchten wird. Wenn alles gut geht, wird mein Buch „Lustig ist anders“ bereits im Hochsommer im Handel sein. Die farbige Illustration besorgte der Karikaturist Reiner Schwalme, bekannt als Zeichner der Satire-Zeitschrift „Eulenspiegel “ und inzwischen auch des Berliner „Tagesspiegel“.

Alles andere als lustig war wohl jene Zeit, als Sie mit siebzehn in den letzten Kriegswochen an die Front mussten?
Wohl wahr. Da sollte ich südöstlich von Wien die Dritte Ukrainische Front aufhalten. Seither weiß ich Vogelgezwitscher zu schätzen und zu hassen, was Atemluft bleihaltig macht. Um nicht eingekesselt zu werden, kam bald der Befehl, die Stellungen zu verlassen. Da hatte das Maschinengewehrfeuer zum Glück aufgehört. Noch heute frage ich mich, wieso ich plötzlich allein unterwegs war. Die einzigen Begleiter waren links und rechts die Einschläge explodierender Granaten. Später reimte ich: Wie tarnt man beim Verdrücken als Vormarsch seinen Lauf? Das Koppelschloss am Rücken, den Helm verkehrt rum auf! Das einzig gute Gefühl aus jener Zeit: Ich brauchte niemanden zu erschießen.

Lutz Jahoda
Sein Buch „Lutz im Glück und was sonst noch schieflief“ erschien 2001 im Verlag Das Neue Berlin ©Michael Handelmann

Schon in Ihren Memoiren „Lutz im Glück und was sonst noch schieflief“ haben Sie das politische Zeitgeschehen mit Ironie und Spott kräftig gegen den Strich gebürstet als könnten Sie nicht anders.
Das einzig Ererbte, wovon ich heute noch zehre. Dabei war mein Erscheinen auf dieser Welt alles andere als humorig. Ich würde es eher als suizidverdächtig bezeichnen: Ich hatte die Nabelschnur um den Hals. Der Arzt sprach von einer „petitesse“, doch sein Gesichtsausdruck soll nicht nach Geringfügigkeit ausgesehen haben. Die Hebamme bemühte sich um die „Kleinigkeit“, die der Doktor eine „sanfte Garotte“ nannte. Meine Mutter hatte „Karotte“ verstanden und sich gefragt, was an einer Mohrrübe hätte sanft sein sollen, wo doch mein Gesicht eher nach Blaukraut aussah. Doktor Spaßvogel hatte Würgeeisen gemeint, und so muss es mir auch vorgekommen sein.

Sie sind im tschechischen Brünn geboren. Ihre Eltern gehörten zur deutschsprachigen Minderheit in der Tschechoslowakei. Wenn Sie an Ihre Jugend denken, was ist Ihnen da besonders in Erinnerung geblieben?
Meine Jugendliebe. Sie war fünfzehn, ein Jahr jünger als ich, und saß im Englischunterricht an der Handelsschule in Brünn hinter mir. Für mich war Weihnachten, Ostern und Himmelfahrt in die Zeitspanne eines Wimpernschlags gefallen. Gern denke ich auch an die „Berliner Illustrirte Zeitung“, die mein Vater für mich binden ließ.

Nur zur Erklärung: Das war die erste Berliner Wochenzeitung. Sie erschien am 4. Januar 1892 zum ersten Mal. Während der Zeit des Nationalsozialismus wurde die Verleger-Familie Leopold Ullstein vertrieben und das Blatt bis zum Kriegsende ein Organ der NS-Propagandisten.
Mein Vater hatte die Zeitschrift abonniert und den Jahrgang 1927 für mich binden lassen. So wusste ich schon als Knabe, was in der Welt zur Zeit meiner Geburt vorgegangen war bis hin zu den unheilvollen Tagen, als Deutschland dem Hakenkreuz hinterherzulaufen begann. Und so denke ich gern an die erste Tschechoslowakische Republik zurück, die Flüchtlingen aus Deutschland Schutz gewährte. Heinrich und Thomas Mann zum Beispiel erhielten einen tschechischen Pass. Aus dieser Jugendzeit stammt auch meine Sehnsucht, nach Art des „rasenden Reporters“ Egon Erwin Kisch ein Mann der Zeitung zu werden.

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Der 17-jährige Lutz bringt seiner Freundin Puzzl ein Ständchen. Acht Monate später fährt er an die Front bei Wien ©privat

Dennoch wurden Sie ein Mann des Theaters.
Ein Bursche vorerst. Ich meldete mich zur Freiwilligen Feuerwehr, um der vormilitärischen Ausbildung bei der Hitlerjugend zu entgehen. Brünn stand nach der Annexion der ČSR ab 1939 unter deutschem Protektorat. Der Chef der Feuerwehr war gleichzeitig Inspizient am Brünner Stadttheater, sodass ich entweder in Uniform hinter der Bühne stand oder im Dritten Rang Dienst hatte, allerdings gelegentlich auch als Kleindarsteller in einer stummen Rolle über die Bühne laufen oder sogar etwas tragen durfte.

Ernsthaft beschritten haben Sie Ihren künstlerischen Weg erst, als Hilde Engel und Erich Elstner, die Eltern von Showmaster Frank Elstner, Sie unter ihre Fittiche nahmen. Mit ihnen gelangten Sie 1946 nach Berlin.
Hilde Engel war Berlinerin. Sie hatte Wohn- und Bleiberecht in der zerstörten Stadt. Und nur so konnte ich als noch nicht Volljähriger, dem Schoß der Familie Elstner zugehörig, mit in Berlin bleiben. Ich erhielt dort privaten Ballettunterricht und von Erich Elstner die Grundausbildung, um in kleinen Rollen bereits bestehen zu können. Elstner brillierte schon in der ersten Inszenierung des Metropoltheaters nach dem Krieg mit Sonja Ziemann, dem späteren Filmstar, singend und tanzend in der Operette „Nächte in Shanghai“ und gründete später das „Theater in der Kaiserallee“.

Wie kam es zu der Bekanntschaft mit dem Schauspielerpaar?
Erich Elstner und Hilde Engel waren in Brünn Theaterstars. Gegen Kriegsende 1945 kam ich in sowjetische Kriegsgefangenschaft und entdeckte Erich Elstner in der slowakischen Hauptstadt Bratislava in einem Lazarett der Roten Armee. Ich erkannte ihn lediglich an der Stimme. Er hatte Gewebswassersucht und ich gerade eine Ruhrerkrankung hinter mir. Russische Ärzte hatten uns kuriert. Wir trafen uns nach der Entlassung im Spätsommer 1945 in Wien wieder. Meine Tante Mary gab Erich Elstner, seiner Frau und ihrem kleinen Sohn Tim – aus dem später Frank wurde – in ihrer Villa Unterkunft. Ich hatte einen Job als Übersetzer in einem amerikanischen Offizierscasino und übermittelte die Wünsche der Amerikaner den Wiener Köchen. Damit gelangte ich in den Genuss, Essen mitnehmen zu dürfen. Was mir augenzwinkernd gestattet wurde, obwohl dies bestimmt gegen die offizielle Order verstieß. Ich versorgte so Onkel, Tante und die Elstners.

Lutz Jahoda
Im Gespräch am 26. Mai 2017 ©Michael Handelmann

Warum sind Sie nicht in Wien geblieben und machten dort eine Schauspielausbildung?
Weil sich dort die vielen Schauspieler der einst zahlreichen deutschen Theater in Böhmen und Mähren gegenseitig auf die Füße traten. Die deutsche Minderheit, die seinerzeit mehrheitlich „Heim ins Reich“ gerufen hatte, wurde im April 1945 aus Böhmen und Mähren ausgewiesen, sämtliche Theater waren wieder tschechisch. Und Österreich hatte nur wenige Städte mit einer maßgeblichen Bühne. Es war ein großes Abenteuer.

In Berlin nahmen Sie auch Ihren Traum in Angriff, Journalist zu werden.
Ich bewarb mich beim Berliner „Nachtexpress“. Die Elstners hätten meinen Journalistenwunsch toleriert. Doch die ersten Theaterangebote kamen schneller als die Zusage der Zeitung für ein Volontariat. Hilde Engel, die viele Theaterleiter kannte, hatte das für mich eingerührt.

Haben Sie noch Kontakt mit Frank Elstner?
Im August 2014 hatte er mich nach Wien eingeladen. Ich zeigte ihm die Villa von Tante Mary, an die er sich, der damals erst vier Jahre alt war, nur noch schwach erinnern konnte. Wir fuhren auch nach Brünn. Das Theater wurde gerade renoviert. Dennoch durften wir auf die Bühne, wo sein Vater Erich Elstner einst ein Star war und ich in dem Reimstück „Die goldene Eva“, gespielt von Hilde Engel, einen Lehrling mimte. Ganze neun Silben hatte meine erste Sprechrolle. Das war 1944, kurz bevor sämtliche deutschen Theater schließen mussten, weil die Künstler an die Front geschickt wurden, nachdem Goebbels den „totalen Krieg“ ausgerufen hatte. Franks Mutter erfuhr übrigens erst in Wien, dass ich jener war, der ihr damals in der Handwerkerkomödie kurz begegnete.

Sie gehören zu den Pionieren des DDR-Fernsehens, zählen zu den populärsten Unterhaltungskünstlern jener Zeit, wurden als Entertainer mit Ihrer Fernsehreihe „Mit Lutz und Liebe“ zum Fernsehliebling gekürt – die Aufzählung ließe sich fortsetzen. Fühlten Sie sich gut aufgehoben in der DDR?
Es wäre undankbar von mir, dies zu verneinen. Heinz Quermann setzte mich immer wieder in seinen von ihm redaktionell betreuten Sendereihen ein. Unvergesslich, wie er nach einem Auftritt von mir in der Kongresshalle Leipzig das Publikum zu „Zeugen Jahodas“ machte. Natürlich gab es auch für mich als Liedertexter Schwierigkeiten. Dem gesungenen Wort wurde kritische Aufmerksamkeit geschenkt. Da verschwand schnell etwas in der Schublade, und es war ärgerlich, wenn eine ähnliche Textidee eines Tages im Westen auftauchte und großen Erfolg hatte.

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1951 sang er als Buffo im Volkstheater Halberstadt in Ludwig Schmiedseders Operette „Heimkehr nach Mittenwald“ ©Böttcher

Warum sind Sie nicht, wie viele andere Künstler, in den Westen gegangen?
Ich war ja im Westen, hatte meinen Wohnsitz in Berlin-Westend, spielte aber 1947-1951 am Theater der Altmark in Stendal und am Volkstheater in Halberstadt. Im September 1951, zu Beginn der neuen Spielzeit, verließ ich das Theater und ging mit meiner zweiten Frau nach Garmisch-Partenkirchen, weil meine Mutter dort lebte. Da ich weder Bergsteiger noch Skilehrer war und auch beim Almauftrieb und Abtrieb den Kühen nur im Weg gestanden hätte, waren es wieder die Amerikaner, bei denen ich mein Brot verdiente. Ich stand mehr in ihrem Post Exchange, einem Laden für Militärangehörige, als auf der Bühne des Zimmertheaters in Garmisch. Wir spielten auch im Schneefernerhaus unterhalb der Zugspitze. Das höchste Theater Deutschlands mit der niedrigsten Gage.

Was trieb Sie in die DDR? Sie hatten das Kapitel Ostdeutschland doch abgehakt.
Eine veränderte Situation. Nach den Unruhen in Ostberlin im Jahre 1953 erhielt ich gute Nachrichten von Kollegen aus Halberstadt. Gelobt wurde das kulturelle Umfeld. Die DDR sei im Begriff, ein Künstlerparadies zu werden. Ich hatte von meiner ersten Frau meinen Sohn Axel in Magdeburg, mein zweiter Sohn Peter wurde in Garmisch geboren. Und so verließ ich 1954 das Werdenfelser Land, sondierte die Lage in Westberlin, die für Künstler nicht rosig war. Eine Reihe von Kunstschaffenden mit Wohnsitz im Westen der Stadt arbeiteten deshalb im Berliner Osten. Sie erhielten vom Westberliner Senat einen Teil ihrer DDR-Gage 1:1 in Westgeld umgetauscht, um Miete, Strom und Heizung bezahlen zu können. Leider traf dieses Entgegenkommen auf mich nicht zu, weil ich durch meinen mehrjährigen Aufenthalt in Garmisch polizeilich in Westberlin abgemeldet war. Damit war ich Bundesbürger und nicht mehr Westberliner. Als ich 1955 einen Vertrag an den Städtischen Theatern Leipzig bekam, wurde ich DDR-Bürger. Nicht ganz freiwillig. Meine DDR-Monatsgage wäre beim Umtauschkurs 4:1 von Ost- in Westmark vollständig für die Miete meiner Wohnung in Westberlin draufgegangen. Aber bereut habe ich den Staatenwechsel nicht. Es ging mir in der DDR immer gut.

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Der Osten hat ihn wieder. 1955 begann seine Karriere am Operettentheater Leipzig ©privat

Wie sahen Sie den Mauerbau 1961?
Ich liebte Berlin als ungeteilte Stadt, war demnach „not amused“, wie es die Queen ausgedrückt hätte, begriff allerdings schnell, dass die Abschottung aus wirtschaftlichen Gründen notwendig war. Die nicht wegzuleugnende glanzvoll strahlende Wirklichkeit des Westens lockte Zigtausende aus dem Osten weg. Und beängstigend viele Westberliner hatten es sich zur Gewohnheit gemacht, preiswert Westgeld in Ostgeld umzutauschen und im Osten der Stadt einkaufen. Kaviar, Champagner, die „Wässerchen“ Stolitschnaja, Meißner Porzellan, Kürschnerwaren vom Brühl in Leipzig. Ich erinnere mich, dass der Wiener Schlagersänger Willy Hagara für seine Villa an einem der Rheinhänge Gardinen im Großeinkauf erwarb. Meine dritte Frau, die später mit der morgendlichen Radioreihe „Turnen mit Brigitte“ bekannt wurde, hatte Hagara seinerzeit beratend hilfreich begleitet.

Hatten Sie sich bespitzelt gefühlt?
Die Staatssicherheit hatte ein wachsames Auge auf alles und jeden. Wir dürfen nicht vergessen, was im Lauf deutscher Geschichte Kommunisten und Sozialdemokraten auszustehen hatten, sei es in der Weimarer Republik oder später unter der Hitlerdiktatur. Diese Erfahrung bestimmte Denken und Handeln der DDR-Regierung. Und so gesehen kann die gegenwärtig großflächige Überwachung der Welt durch die zahlreichen Geheimdienste der westlichen Allianz unter Führung von NSA und CIA vorwiegend uns Deutsche mit Osterfahrung nicht schrecken. Wir sind stark durch diesen Heimvorteil.

Lutz Jahoda
Der Sänger, Schauspieler, Autor im amüsanten Gespräch mit mir in seinem Garten unter alten Erlen ©Michael Handelmann

Sie haben sechsmal geheiratet, sind fünfmal geschieden. Konnten Sie dem Weiblichen nicht widerstehen?
Diese Frage wurde mir schon vor Jahren in einer „Riverboat“-Gesprächsrunde gestellt. Damals gestand ich mit schuldhafter Miene: „Ich bin offenbar ein OmH – ein Opfer meiner Hormone.“

Darf ich das so sehen: Mann sieht Frau, Frau sieht Mann, Frau schaut weg, Mann bleibt dran?
Sie sehen das richtig, und Sie machen mich nachdenklich. Als Kind habe ich zur Klavierbegleitung meiner Schwester besonders gern die Lieder mit den Textzeilen „Die süßen Mäderln im Trikot“ und „Ob blond, ob braun, ich liebe alle Frau‘n, mein Herz ist groß …“  gesungen. Da war ich erst Fünf!

Klingt wie ein vorweggenommenes Credo Ihres Lebensweges. Ihr Vater war Monarchist, kannte die Geschichte der Habsburger wie ein studierter Historiker und hätte Sie gern als Priester gesehen.
Da hätte ich den Herren Gottschalk und Jauch und vielen männlichen Prominenten bundesdeutscher Fernsehunterhaltung einiges vorausgehabt: Die waren alle nur Ministranten.

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1947 im Theater der Altmark in Stendal. Er war der  jüngste Operettenbuffo im deutschsprachigen Raum.  Hier traf er Ehefrau Nr. 1, die Tänzerin Helga ©privat

Wie haben Sie Eva erobert, Ihre sechste Ehefrau? Immerhin besteht zwischen Ihnen ein Altersunterschied von 44 Jahren. Sie waren damals 67, Eva 23 Jahre alt.
Ich betreute 1994 für „Radio 50plus“ eine Musiksendung, die einmal wöchentlich mit zweimal 50 Minuten ausgestrahlt wurde und aus kurzweilig interessanten Wortbeiträgen und musikalischen Neuvorstellungen bestand. Um festzustellen, wie genau die Hörer meinen Textbeiträgen folgen, baute ich einen Fehler ein. Eva hatte die „Falle“ entdeckt und einen Preis gewonnen, den ich, als ich das beigelegte Foto von ihr sah, zu einem Studio-Nachmittag an meiner Seite erweiterte. Eva durfte Titel ansagen, erhielt ein Lob des Tonmeisters, der uns ansah und schließlich sagte: „Und wann werdet ihr heiraten?“

Die Hochzeit war 1999. Und wie ist es diesmal: Treue bis zum Sternenstaub?
Ich merke, dass Sie meine Bücher gelesen haben. Eva schenkte uns einen Sohn, der inzwischen neunzehn ist. Ich war zum ersten Mal bei der Entbindung dabei und erwartete das übliche in Film und Fernsehen vorgeführte Szenario. Doch die Schmerzensschreie blieben aus. Gojko Mitic, als Fernsehindianer am Marterpfahl, hätte Mühe gehabt, diese Selbstbeherrschung meiner Frau derart überzeugend nachzuvollziehen. Ich weiß nicht, ob das im Kreißsaal so üblich ist: Ich jedenfalls applaudierte Eva.

Standing Ovation. Waren Sie allen Söhnen ein guter Vater?
Da treffen Sie einen Schmerzenspunkt in mir. Immer unterwegs, im Kopf immer auf Suche nach neuen Programmideen. Auch in der DDR eine Notwendigkeit, wer freischaffend bestehen wollte. So muss ich eingestehen: Was ich meinen anderen Söhnen aus Tourneegründen nicht sein konnte, durfte ich diesem letzten Sohn schenken. Die Halbbrüder verstehen sich bestens. Schade, dass Peter Jahoda, der in Garmisch geborene zweite Sohn, nicht mehr unter uns weilt. Er war ein begnadeter Schauspieler am Hans-Otto-Theater in Potsdam und dabei, auch das Fernsehen zu erobern. Er wollte immer gern seinen Geburtsort Garmisch kennenlernen. Die DDR-Administration ließ ihn nicht reisen. Als er nach der Wende hätte reisen können, war es Schnitter Tod, der ihm dies verwehrte.

Lassen Sie mich einfügen: Ihr Sohn Peter litt an Epilepsie. Am 31. Januar 1991 ist er an einem besonders heftigen Anfall erstickt.
An dieser Geißel, die ihn eines Tages unvermittelt traf, litt er seit Jahren. Aber niemals behelligte ihn das Leiden abends auf der Bühne. Immer geschah es aus der Ruhe heraus. An jenem letzten Januartag 1991 war er allein in der Wohnung. Seine Frau war an diesem Morgen bereits zur Arbeit unterwegs. Es ist so bitter schade um ihn.

Ich habe noch Fragen.
Bitte.

Wie sieht Ihre Lebensbilanz aus?
Gewiss hätte ich beruflich mehr und vielleicht auch Besseres abliefern können. Dies mit dem Brecht-Satz „Doch die Verhältnisse, die war’n nicht so!“ abzutun, wäre leicht, aber ungerecht. Dass ich die Chance ergriff, meine Zweitbegabung zu nutzen, um diese geschichtlich und auch literarisch geglückte Romantrilogie „Der Irrtum“ zu schreiben, wie auch jetzt das letzte Buch „Lustig ist anders“, war mir sehr wichtig. Danken möchte ich Juri Klugmann in Kanada, für dessen Monatsblatt „Deutsche Rundschau“ ich einige Jahre schreiben durfte.

Lutz Jahoda
Seit Mitte der 60er Jahre lebt der gebürtige Tscheche am Wolziger See ©Michael Handelmann

Welche Tiefpunkte schmerzen?
Als wir bei unserer Friedrichstadtpalast-Revue „Strandkorb Nummer 13“ im sonst immer ausverkauften Haus von vielen unbesetzten Stuhlreihen überrascht wurde. Es war im Hochsommer 1961. Ich gehörte zu den Hauptdarstellern, war tagsüber zu Dreharbeiten für den Kinofilm „Das verhexte Fischerdorf“ auf dem Darß. Die Mauer stand und dem Friedrichstadtpalast fehlte das Westberliner Publikum. Der zweite Tiefpunkt kam zwei Jahre darauf, als die Beatles die Musikszene zu verändern begannen, worunter die Rundfunktanzorchester und die Gesangsinterpreten in West und Ost gleichermaßen litten. Und der dritte Tiefpunkt ereilte mich nach der Wende. Eine Bank ließ mich ins offene Messer laufen, indem sie die Kreditwürdigkeit meines Geschäftspartners nicht überprüfte und mich meine Bürgschaft nun bis zu meinem hundertsten Geburtstag belasten wird. Rechtschaffenheit gehört nun einmal nicht zum Geschäftsmodell des Neoliberalismus wie uns die Gegenwart immer noch an vielen Beispielen lehrt.

Sehnen Sie sich nach einer Lutz-Jahoda-Show?
Mit Helene Fischer ist die Showwelt optimal ausgereizt. Mehr geht nicht. Ich genieße die Humorspender und die Vertreter erstklassiger Politsatire, erfreue mich am Schauspielernachwuchs, den ich neidlos allabendlich im Fernsehen bewundere.

Lutz Jahoda
Kaum zu fassen. Er wird 90! ©Michael Handelmann

Zum Schluss noch eine Frage, die ich nicht aussparen möchte: Haben Sie eine Empfehlung zum Thema „Jugendliche Frische im Alter“?
Keinesfalls mit übertrieben sportlicher Aktivität oder gar mit Unterstützung von Appetitszüglern dem „Dorian-Gray-Symptom“ verfallen. Meinetwegen gern Oscar Wildes Buch zum Wahn ewiger Jugend lesen, aber keinesfalls Körper und Geist spalten lassen, was offenbar zum gegenwärtigen Zeitgeist gehört: im Interesse von Umsatzsteigerung und selten zum gesundheitlichen Nutzen der Verbraucher. Da möchte ich gern auf den bekannten Erkenntnissatz zurückgreifen: „Nichts ist schlimmer im Alter als im Körper eines jungen Menschen gefangen zu sein“.

Vielleicht noch etwas Heiteres im Hinblick auf Ihr Geburtsdatum am Sonntag?
Nun bin ich neunzig, was mich schon sehr wundert.
Nicht immer hab ich meiner Pflicht genügt.
Es könnte sein, dass demnächst nichts mehr zundert,
sagte mein Doktor. Der wird morgen hundert.
Da kann ich nur noch hoffen, dass er lügt.

 

 

 

 

Heiko Reissig – der Kavalier der heiteren Muse

Wenn am 15. und 16. Juli in der Alten Ölmühle zu Wittenberge zum 17. Mal Tausende Freunde der heiteren Muse unvergessliche Nächte mit populären Melodien aus Oper, Operette, Musical, Film erleben, ist das insbesondere einem zu danken. Kammersänger Heiko Reissig, seit Jahren einer der beliebtesten deutschen Operettentenöre, hat die inzwischen international populären „Elbland-Festspiele“ in seiner Heimatstadt ins Leben gerufen und sich bis 2008 als Intendant und Regisseur dafür engagiert.

Heiko Chritian Reissig
Elbland-Festspiele Wittenberge 2004: Heiko Reissig  (M.) singt mit Counter-Tenor Jochen Kowalski, Stephanie de Kowa, René Kollo, Johannes Heesters und Dagmar Frederic  das Finale aus der Fledermaus „Im Feuerstrom der Reben“ (v.l.)  

Die Oper wurde als gehobene Unterhaltung immer gepflegt. Die Operette galt wegen ihrer Lebensfreude und Leichtigkeit als seicht und wurde geringschätzt. Unverdienterweise.  Die Musik ist üppig, die Geschichten haben einen kritisch-frivolen Unterton, eine fein-ironische Sprache. Man muss sich nur für diese Kunst öffnen, um das zu erkennen. „Operette ist immer ein gesellschaftskritischer Spiegel gewesen“, bricht Heiko Reissig eine Lanze für das als „kleine Oper“ im 19. Jahrhundert hervorgegangene heitere Bühnengenre. Populäre Beispiele – Johann Strauss’ „Fledermaus“, den „Zigeunerbaron“ und Carl Millöckers „Bettelstudent“.

HR u. D. Sasson (Duett) 24.8.2006
Duett mit Deborah Sasson 2009

Als charmanter Entrepreneur hat sich Heiko Reissig dieser oftmals stiefmütterlich behandelten Kunst angenommen. Er trat in die Fußstapfen so großer Protagonisten der Operette wie Richard Tauber, René Kollo, Johannes Heesters und Jan Kiepura, einem der beliebtesten Operetten-Tenöre des 20. Jahrhunderts.

Heiko Chritian Reissig
Am 19. Februar ist er 50 geworden

Berlin-Reinickendorf. Ein Stück historisches Berlin verströmt hier im Kiez um den Franz-Neumann-Platz noch sein Flair. Die Mehrfamilienhäuser, karminrot und beige gestrichen, mit Stuckfassaden und Kastendoppelfenstern, wurden 1927 erbaut. Heiko Reissig hat mich zum Interview in seine gemütliche Wohnung eingeladen. 2016 ist für den sympathischen und humorvollen Wahlberliner das Jahr der Jubiläen. Im Februar feierte er seinen 50. Geburtstag, was man dem lausbubenhaft Wirkenden, dessen Mund meistens ein Lächeln umspielt, kaum abnimmt. Im September steht sein 40-jähriges Bühnenjubiläum an.

Heiko Chritian Reissig
Heiko Reissig ist ein humorvoller Erzähler

Zu Fuß geht es vier Treppen hoch. Fotograf Nikola Kuzmanic hat zu asten. Oben angekommen, schlägt uns das Herz bis zum Hals. „Das ist mein tägliches Konditionstraining“, empfängt uns Heiko Reissig, elegant gekleidet in heller Hose und apricotfarbenem Hemd. Er reicht Wasser zur Erfrischung. „Möchten Sie sich kurz umschauen?“ fragt er. Aber ja doch. Journalisten sind neugierig. Drei Zimmer – an einem steht „Kabinett“ – Küche, Bad auf 75 Quadratmetern, das ist nicht üppig. Für ihn passt es perfekt. „Ich habe keine Nachbarn neben mir und über mir nur den Dachboden. Wenn ich singe und übe, stört das keinen.“

CD-Cover Heiko Reissig - Jubiläumsalbum 2016
Ein Doppelalbum mit den schönsten Melodien der Liebe aus Operette und Oper ist der Auftakt für sein 40-jähriges Bühnenjubiläum 

Der ausgebildete Opernsänger hat einen kräftigen Tenor, hören wir später, als er beim Foto-Shooting ein paar Takte singt. Zu leicht für die schwere italienische Oper, befand seinerzeit sein Gesangsdozent an der Leipziger Hochschule für Musik und Theater, Prof. Wolfgang Büttner, und wies ihm den Weg auf die Operettenbühne. Gleich im ersten Studienjahr spielte der damals 24-Jährige an der Komischen Oper in Jacques Offenbachs Operette „Zwei Berliner in Paris“ eine der Titelrollen. „So kam ich in dieses Fach und habe es nie bereut“, erfahren wir bei Apfeltaschen und Kaffee. Er hat sie extra für uns gebacken. „Mit Liebe gebacken“, scherzt er. Mir fällt die Arie des Prinzen Orlofsky aus der „Fledermaus“ ein: „Ich lade gern mir Gäste ein, man lebt bei mir recht fein…“ Beim Kaffeebrühen muss ich helfen. Dem Teetrinker fehlt das Maß.

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Heiko Reissig als Hans in Bedřich Smetanas Oper „Die verkaufte Braut“ mit Sopranistin Julia Henning, 2009

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Schnell ist ausgemacht, dass er allein lebt. Junggeselle aus Passion? Ein Mann wie mit seinen Vorzügen ist doch ein Traum: gutaussehend, häuslich, charmant. „Nein. Bei mir ist es wie bei den Schmetterlingen. Ich fliege von Blüte zu Blüte, um die richtige zu finden. Noch hat es nicht gepasst.“ Die blauen Augen funkeln verschmitzt. Ich muss an einen Tonfilm- Schlager der 30-er Jahre denken, den er natürlich auch in seinem Repertoire hat: „Ob blond, ob braun, ich liebe alle Frau‘n…“
Da ist aber keine Midlife-Crisis im Spiel, die Männer seines Alters oft mal überfällt. Diese Stimmung kommt in seinem Befindlichkeitsrepertoire gar nicht vor. Wie sollte es auch bei jemandem, der sein Herz der heiteren Muse verschrieben hat und fröhlichen Gemüts ist. Sein starkes Hinterland ist die Familie in Wittenberge, die Eltern, die Schwester mit Mann und Sohn. „Für meinen Neffen bin ich ein Traumonkel“, lacht er. Er hat mit mir schon die halbe Welt gesehen.“ Und so umgänglich und kommunikativ wie wir ihn erleben, ist er für den mittlerweile 26-Jährigen sicher ein echter Kumpel gewesen.

Pressebild Berliner Grammophoniker
Heiko Reissig mit seinem Ensemble „Die Berliner Grammophoniker“ und Opel-Legende Heidi Hetzer in ihrem „Hispano Suiza“, Bj. 1924

Reissigs Leben ist ausgefüllt. Neben Gastspielen, Konzerten, Tourneen kümmert er sich seit seiner Studienzeit um die Förderung junger Operetten-Künstler. Damals gründete er das „Deutsche Konzertbüro“, aus dem der Förderverein „BühnenReif“ hervorging. „Mir war aufgefallen, dass im Bereich der Operette nicht viel passiert, der Nachwuchs fast immer hintan stand. 2001 haben wir einen Studenten an das Liverpool Institute of Performing Arts delegiert, dessen Mitbegründer Paul McCartney ist.“ In diesem Sinne engagiert er sich auch ehrenamtlich als Präsident in der Europäischen Kulturwerkstatt Berlin-Wien. Und es kommen bekannte Schauspieler zu ihm, um ihre Stimme schulen zu lassen. Wie Karsten Speck, mit dem er zusammen in seinem letzten Studienjahr an der Berliner Musikhochschule „Hanns Eisler“ studiert hat.

Heiko Chritian Reissig
Konzentriert studiert er die Noten ein

Mancher würde sich bei dieser Vielseitigkeit verzetteln. Reissig macht alles strukturiert, mit Akkuratesse. „Ich habe Spaß an allem, verliere aber nie die Übersicht. Das war schon immer so.“ Beim Blick auf seinen Schreibtisch können einem angesichts der Heftstapel und Notenblätter allerdings Zweifel kommen. „Alles hat seinen Platz“, gibt er Antwort auf meinen fragenden Blick.
Was bleibt eigentlich hängen bei den vielen Eindrücken, die unweigerlich auf ihn einstürmen, wenn er durch die USA tourt, in Ungarn, Österreich, Italien, Mexiko oder Afrika auftritt? „Vieles. Ich nehme mir immer Zeit, durch die Städte zu streifen, um etwas von dem Lebensgefühl aufzunehmen. Und  natürlich bleiben die Begegnungen mit den Menschen. Unglaublich, wie beliebt unsere Operettenmusik in Japan ist.“

Begeistert erinnert er sich an die Konzerte im traditionsreichen Freizeitpark „Glücks-Königreich“ auf der Insel Hokkaido. Fünf Monate hat er dort fast jeden Tag für die Besucher im Nachbau von Schloss Bückeburg gesungen. „Ein japanischer Milliardär hat nahe der Stadt Obihiro ein Mini-Deutschland erbauen lassen, mit Straßen, Fachwerkhäusern, Schlössern, Denkmälern – alles in Originalgröße“, erzählt er. „Die Japaner haben eine große Vorliebe für die deutsche Kultur. Viele können sich die Reise nach Deutschland aber nicht leisten. Sie kommen in den Park.“
Unvergesslich für ihn die Konzerte am Nordpol in der berühmten Eiskirche von Tromsø. Und eben erst ist er von einer 12-tägigen Ostsee-Kreuzfahrt zurückgekehrt. „Ich habe reiche Leute unterhalten. Für die meisten war Operette leider ein Fremdwort.“ Aber er hat sie eingefangen und als galanter und humorvoller Fremdenführer in seiner „Musikalischen Rumpelkammer“ auf eine Zeitreise in die Welt berauschender Operetten- und Filmmelodien mitgenommen.

Heiko Chritian Reissig
Die Gedanken schweifen lassen muss auch mal sein

Das Programm ist eine Hommage an die Helden seiner Kindheit. Und das war nicht Gojko Mitic als DEFA-Indianerhäuptling Tokei-ihto, Chingachgook oder Ulzana und auch nicht Pierre Brice als Winnetou. Ihn haben die Ufa-Stars wie Heinz Rühmann, Marika Rökk, Zarah Leander, Hilde Hildebrandt, Hans Moser, Theo Lingen oder Johannes Heesters fasziniert. „Wenn montags die alten Filme im Fernsehen liefen, lag ich auf dem Boden hinter der Couch, im Rücken meiner Eltern, und habe heimlich mitgeguckt. Kult wurde für den Jungen auch „Willi Schwabes Rumpelkammer“. Eine sehr beliebte Fernsehsendung in der DDR. Der Schauspieler Willi Schwabe entstaubte in einer Bodenkammer Requisiten und Schallplatten mit Melodien berühmter Ufa-Filme und zeigte Szenen, zu denen er immer auch Anekdotisches und Hintergründe zu berichten wusste.

Renate Holm & Heiko Reissig, 2013
Duett mit Kammersängerin Prof. Renate Holm

Das hat tiefe Spuren hinterlassen bei dem kleinen Heiko und seine Liebe zu der Welt der heiteren Muse geweckt, die heute seine große Leidenschaft ist. „Ich wollte diese Ufa-Stars unbedingt kennenlernen.“  In der DDR eine Unmöglichkeit. Doch die Wende 1989, der Beitritt zur BRD, ließ ihn hoffen. „Ich habe sie fast alle noch getroffen, sogar wunderbare Freundschaften entstanden“, erzählt er. Er war zu Gast bei Heinz Rühmann, bei Marlene Dietrich in Paris, Carl Raddatz, Leni Riefenstahl, Hans Holt, Paula Wessely, Camilla Spira, Johannes Heesters, Karin Hardt, Jenny Jugo, Marianne Hoppe, Kristina Söderbaum… Stars, deren Namen heute fast vergessen sind. Heiko Reissig holt sie in seinen unterhaltsamen Konzertprogrammen wieder auf die Bühne. – „Greifen Sie zu, der Teller muss leer sein, wenn Sie gehen“, animiert er uns, bevor er einige seiner Anekdoten erzählt, und wir uns seine Fotosammlung anschauen.

Heiko Chritian Reissig
Ufa-Legende Heinz Rühmann hat seinen größten Fan 1989 nach Aachen eingeladen. Heiko Reissig (r.) 

Ein Schwarzweißfoto zeigt ihn mit Ufa-Legende Heinz Rühmann. Seine Filme „Die drei von der Tankstelle“ oder „Die Feuerzangenbowle“ sind Evergreens. Dutzende Briefe schrieb der Junge aus Wittenberge damals an seinen allergrößten Schwarm. „Ich hatte keine Adresse, deshalb stand auf dem Umschlag nur: An Heinz Rühmann, BRD.“ Die Deutsche Post der DDR hat sie aussortiert. Kontakte in den Westen waren nicht erwünscht. Angekommen ist nur einer. „Den hatte ich 1988 bei einem Urlaub in Budapest geschrieben und von dort abgeschickt.“

Wenige Monate später, kurz vor Weihnachten, kam Antwort. „Als ich Büro H. R. las, haben mir vor Aufregung die Hände gezittert.“ Heinz Rühmann bedankte sich und schickte mir seine Biografie mit einer Widmung.“ Das Jahr darauf, Wendezeit, erhielt er unerwartet einen weiteren Brief. Diesmal mit einer persönlichen Einladung des Schauspielers. „Lieber Heiko Reissig“ hieß es darin, „Ihr Wunsch ist nicht vergessen. Herr Rühmann lädt Sie zu seiner letzten Weihnachtsmatinee am 17. Dezember 1989 in das Stadttheater nach Aachen ein. Die Karte liegt an der Kasse.“

Heiko Chritian Reissig
Heiko Reissig mit Hertha Rühmann in der Villa am Starnberger See, wo er für die Familie ein Hauskonzert gegeben hat

Sein Herz jubelte. Der 23-Jährige nahm seine 100 DM West Begrüßungsgeld, mit denen man die DDR-Bürger nach der Grenzöffnung in der BRD willkommen hieß, kaufte eine Fahrkarte und fuhr nach Aachen. „Meine erste Westreise ging zu meinem großen Star. Kaum zu fassen, wenn man weiß, dass Heinz Rühmann mit seinen Fans grundsätzlich keinen persönlichen Kontakt pflegte. Es traf mich wie ein Blitz, als er mir von der Bühne in die Augen sah. Bei Hirschbraten und Klößen, Rühmanns Lieblingsessen, unterhielten ich mich mit ihm und seiner Gattin Hertha im Hotel Steigenberger zwei Stunden.“

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Es war die Neugier auf den Jungen aus dem Osten, der mit seinem Brief den großen Rühmann zu Tränen gerührt hatte, die den Schauspieler diese Ausnahme machen ließ. Der damals bereits 88-Jährige hat bis dahin nicht erahnt, wie sehr ihn auch die Menschen auf der anderen Seite der Mauer verehrt haben. „Später habe ich bei Rühmanns am Starnberger See ein Hauskonzert gegeben. Frau Rühmann schrieb mir danach in einem berührenden Brief, ich hätte mit meinem Singen das Glück in ihr Haus gebracht.“ Heinz Rühmann starb 1994, mit 92 Jahren. Zu seinem 100. Geburtstag widmete Heiko Reissig seinem Lieblingsstar das heiter-besinnliche Kammerspiel „Ein Freund, ein guter Freund!“, das er zusammen mit Prof. Hans-Hermann Krug, dem damaligen Intendanten des Winterstein-Theaters Annaberg-Buchholz – schrieb. Die Hauptrolle sang und spielte der beliebte DDR-Musicalstar Peter Wieland.

Kutsche-Brandenburger Tor-1.10.2007
Operettenstars unter sich: Renate Holm, Heiko Reissig und Peter Wieland 2008 zur Eröffnung der Europäischen Kulturwerkstatt am Brandenburger Tor in Berlin

Fast alle Sehnsüchte aus Kindertagen erfüllten sich. Prof. Boleslaw Barlog, ehemaliger Generalintendant der (West)-Berliner Schauspielbühnen mochte den interessierten Musikstudenten, der sich bei ihm gleich nach der Wende vorstellte. Beide freundeten sich an, und Reissig wurde Barlogs persönlicher Assistent. „Er hat mir die ersten Wege zu den Ufa-Stars geebnet“, erzählt Reissig. „Barlog rief bei ihnen an und sagte: Da kommt so ein kleener Verrückter, seid mal nett zu ihm.“

Heiko Chritian Reissig
Prof. Boleslaw Barlog und Heiko Reissig 1996. Der ehemalige Generalintendant der Berliner Schauspielbühnen unterstützte den wissbegierigen und sympathischen jungen Mann

Heiko Chritian Reissig

Rökk-Widmung Heiko Reissig
Marika Rökk schreibt ein Autogramm für Heiko Reissig 

Heiko Reissig besuchte Marika Rökk in ihrer Villa in Baden bei Wien. Eins seiner kuriosesten Erlebnisse. „Ich stand im Salon. Eine große Eichentür ging auf und Marika Rökk erschien in einem dunkellila Morgenmantel. Ich wollte gerade etwas sagen, als sie mich, die Arme ausbreitend, in ihrem faszinierenden ungarischen Dialekt begrüßte: ,Junger Mann, wenn Sie kommen auf Bühne, Sie müssen machen groß, groß, groß! Habe ich gemacht mein ganzes Leben. Immer für das Publikum groß, groß, groß! Und ganz wichtig’ – sie streckte mir ihr rechtes Bein entgegen und schlug drauf – ,Muskulatur, Muskulatur ! Fass mal an!’ Ich durfte wahrhaftig den Oberschenkel der großen Rökk berühren! Unglaublich, wie im Traum! Dann haben wir Kaffee getrunken und noch viel gelacht.“ Heute ist er mit Rökks Tochter Gabriele Jacoby befreundet. „Wenn ich Konzerte in Österreich gebe, wohne ich in der Villa ihrer Mutter.“

Mit der Schauspielerin Ilse Werner, berühmt für ihr Pfeiftalent, stand er in seinem Programm „Operette mit Pfiff“ auf der Bühne. Er gerät ins Schwärmen über die gemeinsamen Auftritte. „Ein wunderbare Künstlerin, aber auch ein Biest. Sie ließ mich einmal auf der Bühne stehen, ging einfach ab. Sie hatte ihren Pfiff-Einsatz vergessen. “

Rökk-Gala 3.11.2013 HCR - Budapester Operettentheater
Heiko Reissig ist Stargast bei der großen Gala zum 100. Geburtstag von Marika Rökk 2013 im Operetten-Theater Budapest

Unzählige Devotionalien hat er im Lauf der Jahre geschenkt bekommen, so einen weißen Schal von Johannes Heesters, von Marika Rökk das Monokel aus ihrem Film „Die Frau meiner Träume“. Die Hausjacke und die Laterne von Rumpelkämmerer Willi Schwabe gehören zu seinem Bühnenoutfit, wenn er seine „Musikalische Rumpelkammer“ präsentiert.

Heiko Chritian Reissig
Mit Diseuse und Brecht-Interpretin Gisela May 1984 auf dem Solidaritätsbasar der DDR-Journalisten in Berlin 

Dass er sich mit Haut und Haaren einmal der Operette verschreiben würde, hatte Heiko Reissig nicht im Sinn, als er mit zehn Jahren als Kinderdarsteller in der Märchenoper „Hänsel und Gretel“ die phantastische Welt des Theaters betrat. Es fügte sich alles auf seinem Weg auf die Operettenbühne, wenn auch mit einigen Umwegen. Die Eltern, bodenständige Leute, hatten nichts mit Kunst zu tun. „Ich bin das sogenannte Schwarze Schaf“, erzählt er.
Weil der Vater meinte, er solle einen handwerklichen Beruf erlernen, damit er etwas könne, wenn es als Sänger nicht klappt, absolvierte der Sohn nach dem Abitur bei der Schweriner Volkszeitung zunächst eine Lehre zum Buchdrucker und Typografen. Im Anschluss holte die obligatorische Wehrpflicht den 18-Jährigen für anderthalb Jahre zur Nationalen Volksarmee. Als sein Wehrdienst beendet war, ging er in die Kultur, wurde in Perleberg wegen seines Organisationstalentes gleich stellvertretender Kulturhausleiter – der jüngste in der DDR.

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Mit Ivan Rebroff 2007

Sein Organisationstalent und sein Engagement fielen überall auf. Die FDJ-Kreisleitung Perleberg delegierte ihn 1988 zum Pfingsttreffen nach Berlin. Ihm oblag es, hinter den Kulissen die Jugendrevue „Immer am Ball“ im Friedrichstadtpalast zu managen. Das sollte kein Intermezzo bleiben. Friedrichstadtpalast-Intendant Reinhold Strövesand gefiel der kreative junge Mann aus Wittenberge. So einer fehlte in seiner Abteilung für Werbung und Öffentlichkeitsarbeit. Er bot ihm eine Stelle an. „Wer hätte da nein gesagt“, erinnert sich Heiko Reissig. „Aus der Provinz nach Berlin, davon träumte jeder damals.“

Udo Lindenberg + HCR 2004 Berlin Kempi
Udo Lindenberg und Heiko Reissig in Hamburg. Der Operetten-Tenor mag Lindenbergs Musik und schätzt dessen klare Haltung

Er suchte sich eine Wohnung, die er mit viel Glück im Friedrichshain fand. 26 Quadratmeter klein. Seine Berufswünsche richteten sich nun in Richtung Regie. Er hatte den Studienplatz an der Filmhochschule Babelsberg schon fast in der Tasche, als er bei der Musikprüfung gefragt wurde, warum er mit seiner Stimme nicht Opernsänger wird. „Das gab mir zu denken, mein Kindertraum keimte wieder auf. Langen Überlegungen, wohin nun des Wegs, nahm ihm die Wende ab. Über das beliebte Revuetheater – mit der größten Theaterbühne der Welt, 2854 m² – rollte 1990 wie über alle Betriebe der DDR nach deren Beitritt zur BRD die Entlassungswelle. „400 der 700 Mitarbeiter mussten gehen.“ Seine Gesangslehrerin riet ihm, sich nun endlich für ein Studium zu bewerben, bevor er arbeitslos wird.

Heiko Chritian Reissig

An der renommierten Hochschule für Musik und Theater in Leipzig wurde er sofort angenommen. Später studierte er noch weiter an den Hochschulen in Berlin und München. 1994 hatte er sein Diplom als Opernsänger und Gesangspädagoge in der Tasche. In den USA, Italien und Österreich folgten Meisterkurse in Gesang, unter anderem bei der weltberühmten Operettensopranistin Marta Eggerth, der Ehefrau von Jan Kiepura. Bei dem großen Maximilian Schell lernte er in Köln Schauspiel.

Heiko Chritian Reissig
Maximilian Schell unterrichtete den jungen Operetten-Tenor in der Schauspielkunst. Ihre Freundschaft hielt bis zum Tod der Schauspiel-Legende

Auch seiner Neigung zur Regie folgte er noch, studierte bei den namhaften Theater- und Opernregisseuren Ruth Berghaus, Harry Kupfer und August Everding. „Für mich bedeutet der Beruf mehr, als nur auf der Bühne zu stehen und zu singen.“ Seiner Leidenschaft alles zu geben, was er vermag, das ist sein Credo. Als Sänger, Schauspieler, Moderator vermag er sein Publikum mitzureißen. Schubladendenken sind dem charismatischen Multitalent fremd.

Heiko Reissig & Damenquartett (2)
Heiko Reissig mit einem prominenten „Damenquartett“ – Anke Lautenbach, Sarianna Salminen, Stephanie de Kowa und Lauren Francis (v.l.)

1998 wird Reissig zu den traditionellen österreichisch-ungarischen Operetten-Festspielen nach Mörbisch am See eingeladen. Täglich 6000 Operetten-Liebhaber strömen zu dem alljährlichen Sommerfestival. „Die Begeisterung des Publikums war umwerfend. Die Österreicher lieben und pflegen die Operette, was ich mir auch für Deutschland wünschte“, sagt er. Mit der Idee, in Wittenberge ein ähnliches Sommerfestival der heiteren Muse zu gründen, fuhr er damals nach Hause. „Es war nicht leicht, die Vertreter der Stadt davon zu überzeugen, dass Kultur auch ein Wirtschaftsfaktor ist“, erinnert sich Heiko Reissig. „Was brauchen keine Kultur, wir brauchen Industrie, hieß es.“ Schließlich erlebten 1400 Zuschauer mit dem „Feuerwerk der Musen“ am 20. Juni 2000 die Geburt der Internationalen Operetten-Festspiele in der Industriebrache Alte Ölmühle. Es wurde ein grandioser Erfolg und die Presse feierte ihn den „ Kavalier der heiteren Muse“. Der Ehrentitel wurde sein Markenzeichen.

Heiko Chritian Reissig
2000 war Operetto-Tenorbuffo Reissig bei den Seefestspielen in Mörbisch im „Zigeunerbaron“ zu erleben

Die Elblandfeste leben bis heute erfolgreich weiter und locken Jahr für Jahr das begeisterte Publikum in Scharen nach Wittenberge. 2012 wurde dem Künstler, anlässlich seines 25-jährigen Berufsjubiläums, in der Berliner Philharmonie der Ehrentitel „Kammersänger“ verliehen. Derzeit forscht und schreibt er an seiner Promotion an der Universität der Künste zur Geschichte der Staatsoper Berlin von 1933-1945. Sein Mentor ist der legendäre Staatsopernintendant Prof. Dr. Hans Pischner, mit dem er schon seit über 30 Jahren sehr befreundet ist.

Heiko Reissig - Meer

Was bleibt noch offen in seinen Wünschen? „Nicht nur die Operette ist heute eine vergessene Kunst. In unseren Filmarchiven zerfallen jeden Tag sechs Kilometer Filmkunst. Weil die alten Nitro-Filme keiner mehr zeigt, werden sie auch nicht in moderne Speichermedien überspielt. Ich wünsche mir daher ganz dringend einen eigenen Fernsehkanal, in dem diese Schätze gehoben, gesichert und den nachwachsenden Generationen nahegebracht werden. Wie uns damals von Willi Schwabe. Das hatte bleibenden Effekt.“

http://www.heikoreissig.de

Aktuelle Termine:

17.7. – 23. 7. Konzerte „Im weißen Rößl am Wolfgangsee“ in St. Gilgen am Wolfgangsee und Wien

– 24.9. – Große Jubiläumsgala 40 Jahre Bühne „HR – Ich lade gern mir Gäste ein!“ / Festspielhaus Wittenberge mit vielen Stars und Künstlerkollegen von Bühne & Film

Plakat 24.9.2016

15./16.12. – Meistersingerhalle Nürnberg:  Nürnberger Weihnachtsgala (Gesang & Moderation) u. a. mit Startrompeter Walter Scholz

Und ab Januar 2017 geht er mit seiner Filmschlager-Revue „Das gab’s nur einmal“ zum 100. Geburtstag der Ufa auf Tournee.Elf Konzerte im Schauspielhaus am Gendarmenmarkt in Berlin stehen schon. Internationale Stars wie die Schwedin Karin Pagmar und die dänische Sopranistin Lisa Tjalve werden dabei sein.