Heiko Reissig: „Ich lade gern mir Gäste ein…“

„Ausverkauftes Haus, Standing Ovations, Feuerwerk, ein Meer von Blumen, Zugaben und ein total glückliches Publikum – was will man mehr“, freut sich Kammersänger Heiko Reissig über seine Jubiläumsgala, zu der er am vergangenen Samstag in das Kultur- und Festspielhaus Wittenberge eingeladen hatte. Hier stand er als Kinderdarsteller 1976 zum ersten Mal auf der Bühne. Im Märchen „Hänsel und Gretel“.

40 Jahre Bühnenjubiläum und sein 50. Geburtstag waren dem charmanten Operetten-Tenor und Entertainer Anlass, 700 Gästen eine berauschende Show der heiteren Muse zu präsentieren. „Es ist wirklich ein glamouröses Fest geworden, so schön hätte ich es nicht erwartet. Dafür möchte ich mich bei allen, die mir geholfen haben, diesen Abend auf die Beine zu stellen, aufs Allerherzlichste bedanken. Sie haben mir eine unauslöschliche Erinnerung geschenkt“, sagt er mir am Telefon, denn er ist schon wieder unterwegs. Mit seinem Unterhaltungsprogramm „Musikalische Rumpelkammer“ wird er die Kreuzfahrt-Passagiere der MS Albatros auf eine amüsante und auch informative Zeitreise in die Welt der Operette und Filmschlager mitnehmen. Ganz nach seinem großen Vorbild, dem Schauspieler Willi Schwabe. „Eigentlich bin ich groggy“, gesteht er, aber der Vertrag war unterschrieben. Und es macht mir ja Spaß, anderen Freude zu bereiten.“

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Fünf Grazien: KS Karin Pagmar, Caroline Bungeroth, Stefanie Simon, Alexandra Lachmann und KS Christine Wolff

Das ist sein Leben, seit ihn in Kinderzeiten das Theater in seinen Bann gezogen hat. Charme und sein Talent zur Unterhaltung ließen den Operettensänger zum Publikumsliebling werden. Soviel er auch durch die Welt reist, sein Herz hängt an seiner Heimat – und natürlich der Operette. Einem geschmähten Genre. 1998 rief er die „Elblandfestspiele Wittenberge“ ins Leben, ein Festival der heiteren Muse, das er bis 2008 als Regisseur und Intendant führte. „Inspiriert hatte mich  das österreichisch-ungarische Operettenfestival in Mörbisch am See, zu dem jeden Sommer täglich 6000 Musikfreunde kommen. So etwas hatte ich mir für Wittenberge auch vorgestellt“,  sagte er mir in einem Interview.  Inzwischen sind die Musikfestspiele in Wittenberge ebenfalls international berühmt und locken jeden Sommer Tausende Musikfreunde an. Neben Gastspielen, Konzerten, Tourneen kümmert sich der 50-jährige Sänger, Komponist, Regisseur und Entertainer seit seiner Studienzeit um die Förderung junger Operetten-Künstler. „Mir war aufgefallen, dass im Bereich der Operette nicht viel passiert, der Nachwuchs fast immer  hintan stand.“ In diesem Sinne engagiert er sich auch seit vielen Jahren ehrenamtlich als Präsident in der Europäischen Kulturwerkstatt Berlin-Wien.

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Der Jubilar mit dem Wittenberger  Shantychor „De Buhnenkieker“ und Star-Trompeter Walter Scholz

Am 24. September nun legten sich befreundete Künstler ins Zeug, um dem Entrepreneur des Operettentheaters selbst eine Freude zu schenken. Aus Schweden war Kammersängerin Karin Pagmar angereist, aus Russland der Pianist Mikhael Mordvinov. Die Sopranistinnen KS Christine Wolff und Alexandra Lachmann, Kammersänger Johannes von Duisburg gratulierten mit berühmten Melodien, ebenso wie Sängerin Regina Thoss, die mit ihm lange befreundet ist. Das bunte Programm vervollkommneten Star-Trompeter Walter Scholz, der Wittenberger Shantychor „De Buhnenkieker“, Alt-Star Michael Hansen, das Duo Stefanie Simon und Bert Beel sowie Deutschlands Travestie-Star Renata Ravell und das Artistenpaar Angelique & Kavalier. Mit ihrem musikalischen und komödiantischen Talent begeisterte die junge Sängerin Caroline Bungeroth – das „Fräulein Mizi“ des Duos Scheeselong – Publikum und Gastgeber. „Ohne Detlef Heising und Alfred Otto, die für das sensationelle Bühnenbild und den reibungslosen Ablauf sorgten, wäre das Event nicht möglich gewesen“, fügt Heiko Reissig noch an. „Eine tolle Leistung in Anbetracht der Tatsache, dass wir nicht mal zwei Tage Zeit zur Vorbereitung hatten.“

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Eintrag ins Goldene Buch der Stadt Wittenberge. Jubilar Heiko Reissig  mit der stellv. Bürgermeisterin Waltraud Neumann (v.l.),  Laudator Jürgen Schmidt und Pressereferentin Christiane Schomaker

Mitten in der Show dann die große Überraschung für den „Kavalier der heiteren Muse“: Für seine Verdienste um das Musiktheater, speziell die Operette, wurde er mit dem österreichischen „Internationalen Prof.-Heinz-Neubrand-Musikpreis-Wien 2016“ geehrt. Anschließend bat ihn die stellvertretende Bürgermeisterin von Wittenberge, Waltraud Neumann, seiner Heimatstadt die Ehre zu erweisen und sich ins Goldene Buch einzutragen.

Die launigen Worte zwischen den Darbietungen fand Moderator Lutz Hoff. „Er war trotz einer Verletzung gekommen“, erzählt Heiko Reissig. „Das rechne ich ihm hoch an.“ Von Lutz Hoff erfuhr ich, dass ihm kurz zuvor die Achillessehne gerissen ist. „Ein kleiner Fehltritt, und es hat zupp gemacht. Ich habe beim Aussteigen aus der Regional-Bahn den kleinen Treppenabsatz übersehen und da war es passiert. Aber alles halb so schlimm. Die Sehne wird zusammengenäht und dann muss ich noch sechs Wochen den ,Stiefel’ tragen.“ Während ich schreibe, ist er bereits im Krankenhaus und wird auf die OP vorbereitet. Gute Besserung!

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